Buchvorstellung
Bernhard Wucherer präsentiert im Literaturhaus Oberstaufen den historischen Roman Pestspur

Wallenstein war da, des Kaisers Generalissimus, Sissi-Urenkel Markus Habsburg-Lothringen und János Graf zu Königsegg. Gut, der Feldherr in Schwarz, seine spießbewehrte Leibwache mitsamt Tross und Trommler gehören einer historischen Gruppe aus Memmingen an. Aber die adeligen Gäste waren echt. Anlass für die spektakuläre Inszenierung im und am Immenstädter Literaturhaus war eine Buchvorstellung. Eventmanager und Autor Bernhard Wucherer, im Städtle geboren, in Oberstaufen aufgewachsen, präsentierte mit 'Die Pestspur' seinen Romanerstling.

Während im Innenhof die Leibwache, historisch schick mit weißen Leinenhemden und Pluderhosen, zackig exerziert, lockt 'Flaxdanz' mit Flöten- und Harfenklang in den Gewölbekeller. An der Stirnseite ein schwarzes Stehpult mit dem rot-goldenen Wappen derer zu Königsegg, links davon ein Tischchen mit Kerze, Totenkopf und alten Münzen, inmitten 'Die Pestspur'. Rechts ein Ständer mit einem gewaltigen Buch aus dem 17. Jahrhundert ('Historische Chronick'), das Autor Wucherer, wie er später erzählen wird, in Brügge aufgetan hat.

Bernhard Wucherer versteht es, Spannungsbögen zu erzeugen. Denn ehe die geladenen Gäste im voll besetzten Keller einen Eindruck vom Werk erhalten, führt der Swingchor Bad Urach mit seinem beklemmenden 'Pestspiel' in eine 'Periode tiefster Depression', wie Kulturreferent Harald Dreher in seiner Begrüßung formulierte.

Während die Kräuterfrau Tollkirsche und andere Pflanzen gegen die Pest anpreist, kassiert der Oberhirte, die Pest als Strafe Gottes verkündend, die Münzen für Heiligenbildchen und Ablassbriefe – bis die Ersten zu husten beginnen, eine Frau zu Boden fällt und ihren Atem aushaucht. Bevor ein Film die Gäste in die Vergangenheit entführte, trat Siegbert Eckel vom Stadtarchiv zur Laudatio an.

Er habe Wucherer als Schriftsetzerlehrling mit wallender Lockenmähne kennengelernt, der immer frisch und fröhlich zu Werke gegangen, aber an einem stetigen Arbeiten nicht so sehr interessiert gewesen sei. Der Kontakt zu dem 'nixigen Hund', schmunzelte Eckel, sei nie abgebrochen, er habe 'Die Pestspur' sogar vorab lesen dürfen. Wucherer habe exakt recherchiert und die Sorgen und Nöte eines Oberallgäuer Dorfs anschaulich dargestellt.

Er habe nicht den Anspruch, Historiker zu sein, er wolle auch keinen Geschichtsunterricht erteilen, stellte sich hernach der Autor vor, passend angetan mit einem Totenkopfschal. Wichtig sei es ihm, möglichst authentisch zu sein. Wie nah sich Wucherer an der Wirklichkeit bewegt, zeigte eine Kurzlesung mit dem Immenstädter Studiendirektor und Autor Gerhard Dick.

Er ließ in zwei Szenen die Ängste der Oberstaufner aufleben, als der 'Schwarze Tod' auch im Allgäu um sich griff. Lodewig und sein kleiner Bruder Diederich, die Söhne des Schlossverwalters, machen eine grausige Entdeckung auf dem Leprosenfriedhof unweit des Staufner Schlosses. Der Kastellan selbst bemüht sich später, das Volk zu beruhigen, das vor den Gerüchten zittert, in Genhofen und Buflings habe es schon Pesttote gegeben

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