Steinzeit
Bergwerk: Steinzeitmenschen bauen im Kleinwalsertal Material ab

Wer nicht gerade ein geübter Bergsteiger ist, hat seine Mühe sich den steilen Hang hochzuarbeiten. Nur ein hauchdünner Pfad, der immer wieder unter üppigem Grün verschwindet, windet sich die Grasflanke hoch.

Wer nicht gerade ein geübter Bergsteiger ist, hat seine Mühe sich den steilen Hang hochzuarbeiten. Nur ein hauchdünner Pfad, der immer wieder unter üppigem Grün verschwindet, windet sich die Grasflanke hoch.

Nahe einer Abbruchkante zu einem Wildbach erschweren nasse Felsen das Vorankommen zusätzlich und sorgen kurzzeitig für Absturzgefahr - gute Bergstiefel scheinen an diesem Hang unverzichtbar zu sein. Doch bereits vor rund 9.000 Jahren steigen Menschen durch das Steilgras, ganz ohne Trekkingstöcke und Profilsohle.

Wozu der Aufwand? Das Objekt der Begierde heißt Radiolarit oder Feuerstein. Spätestens seit Fred Feuerstein und seine Familie in den 1960er-Jahren über die Fernsehbildschirme flimmern, ist der Name dieses Gesteins untrennbar mit der Steinzeit verbunden.

Erst viel später lösen Metalle wie Bronze oder Eisen es als Werkstoff ab und fungierten als Namenspaten für die folgenden Epochen. Das Rohmaterial beeinflusst die Entwicklung des Menschen also entscheidend. Ungünstig für den gemeinen Steinzeitler ist allerdings, dass guter Radiolarit nicht leicht zu finden ist.

Doch auf rund 1.600 Metern Höhe an diesem Steilgrashang im Widdersteinmassiv betreiben die Sippen, die im Sommer zur Jagd ins Kleinwalsertal kommen, eines der ersten Bergwerke der Alpen. Ihre scharfe Beobachtungsgabe muss ihnen geholfen haben, diese Feuersteinader zu finden. Sie haben die Steine wahrscheinlich in der Iller gefunden, sagt Karl Keßler, der zusammen mit Detlef Willand die ersten Grabungen im Gebiet unternommen hat.

Doch die Steine, die der Fluss transportiert, taugen nicht dazu, Werkzeuge und Waffen daraus zu schlagen. Die findigen Menschen folgen also der Breitach, die in die Iller mündet. An ihren Zuflüssen rund um den großen Widderstein entdecken sie schließlich noch mehr roten und grünlichen Stein, den besten davon an den steilen Berghängen.

Heutzutage mag es schwer sein, die Aufregung um ein paar Steine nachzuvollziehen. Doch ein großer Teil dessen, was den Steinzeitmenschen das Leben erleichtert, stellen sie aus Radiolarit her. Und es steckt noch mehr dahinter: Der Mensch, der verstärkt nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung handelt, weiß um den Wert des Rohstoffs. Um abgenutzte oder verlorene Waffen und Werkzeuge ersetzen zu können, legt er Depots entlang seiner Marschrouten an. Zudem handeln die Stämme untereinander, wobei Feuerstein eine große Rolle spielt.

Autor:

Frank Eberhard aus Kempten

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