Milch
Bergbauern entscheiden am Mittwoch über Übernahme von Allgäuland durch skandinavische Molkerei

Der Poker um die Allgäuland-Käsereien mit Diskussionen über hohe Schulden und niedrige Milchpreise steuert aufs Finale zu: Über das Übernahmeangebot der schwedisch-dänischen «Arla Foods» entscheiden nun die in sechs Teilhaber-Genossenschaften organisierten Landwirte. Mittwoch ist die Versammlung der «Allgäuer Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau eG» in Fischen.

Für die Landwirte geht es um existenzielle Fragen. Ein Nein zu Arla könnte die Allgäuland-Insolvenz bedeuten. Wollen die Bauern das und sich neue Partner suchen - etwa die bayerische Molkerei Zott? Oder sollen sie sich an die Skandinavier binden, die weltweit zu den größten Molkereien zählen? Eine pauschale Antwort gab es bei dem Informationsabend in Immenstadt nicht. Über 200 Landwirte diskutierten mit Vertretern der heuer gegründeten Genossenschaft << Allgäuer Bergmilch >> und Chef-Milcheinkäufer Christian Schramm von Zott.

In der << Allgäuer Bergmilch eG >> sind Landwirte zusammengeschlossen, die nicht mehr an Allgäuland liefern oder zumindest gekündigt haben. Sie wollen die Bergbauern zusammenhalten und als reine Liefergenossenschaft Milch bestmöglich verkaufen. Hohe Geschäftsanteile sind nicht nötig, sondern nur 50 Euro pro Genosse.

Für Landwirte nicht unwichtig: Sie fürchten ohnehin, bei einer Insolvenz ihre (höheren) Anteile an der << Allgäuer Bergbauern-Milch eG >> zu verlieren.

Abschreiben müssten die Bauern bei einem Aus von Allgäuland wohl auch das Milchgeld für die vergangenen 40 Tage. Das könnte manchen Hof in Schwierigkeiten stürzen, wenn Darlehen zu tilgen sind.

Allerdings will Zott << seinen >> Bauern (und denen, die noch dazustoßen) beistehen. Schramm sicherte zu, das Milchgeld für 40 Tage zu übernehmen. Zurückzahlen wäre es verteilt auf drei Jahre mit einem Abschlag von einem Cent aufs Kilo Milch. Das sei machbar, da Zott eh überdurchschnittlich zahle - im Juli netto 37,05 Cent pro Kilo.

Der Wunsch heimischer Bauern, ihre Milch weiter in der Region zu verarbeiten, findet bei Zott vom Grundsatz her offene Ohren. Für eine 40-Millionen-Euro-Investition in ein Milchwerk sei aber eine höhere Milchmenge mit längeren Lieferverträgen nötig. Schramm betonte, dass man mit den Bergbauern einen gemeinsamen Zukunftsweg beschreiten wolle.

Dass die Zusammenarbeit mit Zott funktioniere, bestätigte Stephan Gehring, Vorstandschef der << Allgäuer Bergmilch >>. Er unterstrich das Alleinstellungsmerkmal der Bergbauern, das durch die festgelegte Gebietskulisse geschützt sei. Gebündelt sei die Bergmilch viel wert, bestätigte Aufsichtsrat Otto Bertele. << Die Milchwerke sind hinter der Bergmilch her wie der Teufel hinter der armen Seele. >>

Nicht die Firma Zott sei ins Allgäu gekommen, um Bauern abzuwerben, sondern heimische Landwirte hätten den Kontakt mit Zott aufgenommen, erinnerte Aufsichtsratsvorsitzender Anton Weiler. Melde Allgäuland Insolvenz an, seien die Bergbauern frei. Dagegen hätten sie bei der Übernahme durch Arla kein Mitspracherecht. Weiter warnte Weiler, Allgäuland würde die Allgäuer Bergbauern-Milch eG mit in den Schlamm ziehen. Gleichwohl fände er es ideal, wenn später die beiden Bergbauern-Genossenschaft wieder zusammenfänden.

Landtagsabgeordneter Dr. Leopold Herz (Freie Wähler) wünschte sich, die gentechnikfreie Region voranzubringen. Doch eben da habe er bei einem << skandinavischen Massenhersteller >> seine Probleme.

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