Meisterkonzert
Benjamin Schmid verzaubert mit Korngolds Violinkonzert

Ein regelrechtes Vollwert-Sandwich hatte Meisterkonzert-Organisator Dr. Franz Tröger diesmal angerichtet: Zwischen zwei gehaltvollen Evergreens der sinfonischen Literatur – Beethovens populärer Fünfter und der pathetischen Tschaikowsky-Ouvertüre '1812' – lag Korngolds flirrend-spannendes Violinkonzert in D-Dur eingebettet. Mainstream trifft auf Filmmusik infizierte Spätromantik also. Das Sandwich sättigte nicht nur. Es mundete, wie der große Applaus der über 500 Besuchern im Stadttheater bezeugte, überaus.

Ta-ta-ta-taaa – kaum einer, der das nicht kennt: Das Anfangsmotiv (Dreiachtel auf G und ein langgezogenes Es) von Beethovens 1808 fertiggestellter Sinfonie c-Moll op. 67 gehört zu den prägnantesten der Musikgeschichte. Dass das Werk aber darüber hinaus noch viel mehr zu bieten hat, zeigte die Rheinische Philharmonie.

Unter dem energischen, fordernden Dirigat von Daniel Raiskin gelang dem Orchester aus Koblenz, eine durchaus überzeugende, frische Interpretation. Im Andante con moto des zweiten Satzes hoben die Streicher das sanglich-federnde Thema schön hervor. Sehr dynamisch geriet der dritte, aufwühlende Satz. Bei aller Dramatik blieb der Gesamtklang erstaunlich klar strukturiert.

Er ist ein in Kempten Altbekannter und immer wieder gern Gesehener: Benjamin Schmid. Mit Erich Wolfgang Korngolds 1947 vom Jahrhundertgeiger Jascha Heifetz (1901 – 1987) uraufgeführten Violinkonzert D-Dur op. 35 begann die internationale Karriere des Wieners. Schmid hat dieses faszinierende Werk wahrlich verinnerlicht. Mit betörendem Geigenklang warb er für die große Kunst des zu Unrecht in den Hintergrund geratenen Komponisten.

Nach seiner großen Zeit als Hollywood-Filmkomponist (unter anderem zwei Oscars, 1937 für 'Ein rastloses Leben', 1938 für 'Robin Hood – König der Vagabunden' mit Errol Flynn), versuchte Korngold nach dem Krieg vergebens wieder in der 'ernsten' klassischen Musik Fuß zu fassen. Dabei griff er immer wieder Themen und Motive seiner Filmmusikkompositionen auf.

Auch in seinem Violinkonzert finden sich zahlreiche Spuren davon – dramatische, aufwühlende Orchesterpartien, die an vergilbte Leinwand-Epen erinnern.

Souverän und ausdrucksstark

Aber Korngold, dessen musikalischer Kosmos Schönberg ausklammert und in der Spätromantik verwurzelt ist, setzt diese geschickt ein. Weit geschwungene sind die Harmonien, in denen Benjamin Schmid versunken schwelgte. Umwerfend wie er den fast elegischen zweiten Satz (Romanze) gestaltete.

Und souverän und ausdrucksstark meisterte er auch die virtuosen Passagen. Auch weil die Rheinische Philharmonie unter Raiskin ihm ein zuverlässiges Fundament lieferte. Stark auch die solistische Zugabe: ein kleines Kabinettstück von Eugene Ysaye.

Zum Schluss durfte noch einmal das Orchester ran. Tschaikowsky hatte seine Festouvertüre 1812 Es-Dur op. 49 als eher unbedeutend eingestuft. Mit fettem Pinsel malt der Komponist in dieser Auftragsarbeit, die an den Sieg über Napoleon vor Moskau erinnern soll, das Schlachtengetümmel aus (inklusive Kanonen-Donner und Sieges-Glocken).

Etwas viel Pathos für heutige Ohren, und doch ein Werk, in dem ein Orchester punkten kann. Und das taten die transparent spielenden Koblenzer.

Leicht beschwingt der Nachschlag: der 'Blumenwalzer' von Tschaikowsky.

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