Konzert
Benedikt Bonelli und das Vokalensemble gestalten Bach-Motetten in der Basilika

Mitte der 1970er Jahre wurden die (ökumenischen) 'Kirchenmusikwochen' durch den damaligen Kirchenmusiker an der Basilika in Kempten, Hans Gurski, etabliert. Die heutigen Kirchenmusiker von St. Mang und St. Lorenz, Frank Müller und Benedikt Bonelli, haben diese Tradition aufgegriffen und gestalten zurzeit eine 'Ökumenische Kirchenmusikwoche' unter dem Motto 'Von Ewigkeit zu Ewigkeit'. Der Auftakt fand in der St.-Mang-Kirche statt. Johann Sebastian Bach 'pur' gab es in der Basilika.

Das Vokalensemble unter der Leitung von Benedikt Bonelli zelebrierte vier (der sechs) Bach-Motetten, wobei Carmen Schrödle (Orgelcontinuo) und Dieter Nel (Barockcello) den Generalbass angenehm dezent spielten. Die Aufführung mit kleinem Chor (18 Sängerinnen und Sänger) war ein Genuss.

Diese Preziosen geistlicher (Barock-)Musik erfordern von den Vokalisten höchste Konzentration. Bach hat hier alle kompositorischen Register gezogen: Doppelchörigkeit, heikle Fugen, textdeutende Harmonien lange und bedeutungsschwere Spannungsbögen.

Mit sensiblem und klarem Dirigat lenkte Bonelli das Geschehen.

Die Choraufstellung in weitem Halbkreis vor einzelnen Notenpulten unterstützte die Transparenz, bei doppelchörigen Stellen könnte jedoch eine kompaktere Aufstellung zu einem homogeneren Klangbild führen. Die Zeit der immer rasanteren Bachinterpretationen ist vorbei.

Bonelli ließ sich Zeit, nicht (nur) als Zugeständnis an den Chor, sondern mit Absicht. Da hörte man gelegentlich den 'Walking Bass' oder es 'swingte' geradezu, wie etwa zu Beginn bei der Motette 'Der Geist hilft unserer Schwachheit auf'.

Die hohe Qualität des Chores zeigte sich gleich beim konzertierenden, doppelchörigen Eingangssatz und bei der hervorragend gesungenen komplexen Fuge, an die sich der (etwas zu sanft genommene) Schluss-Choral anschloss. Souverän waren der Bass und der Sopran, gelegentlich noch etwas zögerlich der Tenor und der Alt.

Mit dem ungewöhnlichen Orgelwerk im 'französischen Stil' BWV 572 leitete Volker Zapp an der großen Orgel über zur bekanntesten und umfangreichsten Motette 'Jesu meine Freude'. Für die fünfstimmige Komposition in elf Teilen ließ sich Bonelli wieder Zeit und fand gerade dadurch zu einer ergreifend schönen Interpretation. Hervorragend gesungen wurde die bekenntnishafte Fuge 'Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich'.

Volker Zapp spielte danach aus dem Bachschen 'Orgelbüchlein' drei hübsche 'Miniaturen', um dann bei der berühmten 'Toccata und Fuge', BWV 565, die Orgel 'rauschen' zu lassen. Eine gelungene Anknüpfung an die Tradition der früheren 'Orgelwochen'.

Den Abschluss des Konzerts, bei dem zeitweise die Grenze zu Profichören erreicht wurde, bildete die prachtvolle Motette 'Lobet den Herrn alle Heiden', deren kunstvolle Schuss-Fuge wiederum präzise und dynamisch ausgewogen gesungen wurde. Verdienter, anhaltender Applaus!

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