Bemeckernswert gut

Von Verena Kaulfersch | Opfenbach Seit das junge Paar Nachwuchs bekam und aus der Wohngemeinschaft auszog, lebt sie allein auf dem Bauernhof, oben am Wald. Außer ihr sind da noch Henry und Jacky, die beiden alten Mischlingshunde, und der 18 Jahre alte Opel Corsa, der im Hof parkt. Ob sie sich einsam fühlt? 'Keineswegs', sagt Maria Luise Stübner, 'ich bin ganz gern allein'. Ruhe ist auch wichtig für das, was einen Großteil ihres Lebens bestimmt: Schreiben.

Stübner ist Schriftstellerin und lebt in Heimen bei Opfenbach. Ihre Leser kennen die 58-Jährige mit dem schlichten Kurzhaarschnitt als Hippe Habasch. 'Mein eigener Vorname hat mir nicht gefallen - das blieb hängen.' So habe sie fürs Schreiben ein Pseudonym gesucht. Damals sei sie auf Hippe gekommen, erzählt Habasch und kurz blitzt ein Lächeln auf: 'Das passt zu meinen Texten.' Hippe, das sei eine Bezeichnung für junge Ziegen. 'Die haben viel zu meckern, so wie ich in meinen Geschichten'. Der Nachname Habasch - 'er sollte auch mit H beginnen' - fand sich dann nach kurzem Blättern im Lexikon.

Was die Autorin in ihren Gedichten, Kurzgeschichten und Krimis inspiriert, sind Zustände, die sie 'bemeckernswert' findet: Sei es die inszenierte Geburtstagsfeier im Altenheim mit Landrat, bei der es niemandem wirklich um die alte Frau geht, oder die Dauer-Aufregung über das Thema Hundekot. Habasch überzeichnet das Erlebte, serviert es dem Leser mit Augenzwinkern.

Geboren ist die Autorin in einem kleinen Ort im Spessart, 'durch meinen früheren Ehemann kam ich dann immer weiter nach Süden bis nach Ulm, da haben sich die Wege dann getrennt.' 1995 landete Habasch im Westallgäu. Seitdem gehen ihr die Ideen nicht mehr aus: 'Diese Landschaft und die Ruhe - das regt einen zum Schreiben an'.

Geschrieben - das hat sie schon immer. Zu ihrem Beruf machte sie es aber nicht: Nach der Ausbildung arbeitete sie als technische Zeichnerin, dann folgten 'elf oder zwölf Jahre Ehe und Mutterzeit' und später viele Jobs, etwa in in einem Labor für Metallanalysen und in der Küche eines Altenheims.

Inzwischen ist Habasch selbständig. Die zweifache Mutter schreibt als freie Mitarbeiterin für den Westallgäuer und weitere Zeitungen. Hat die Journalistin ihre Arbeit getan, geht die Autorin ans Werk. Die beschäftigt vor allem der Mensch: 'Es fasziniert mich, Figuren herauszuarbeiten, Charaktere zu zeichnen.' Gerade deshalb brauche sie die Abgeschiedenheit: 'Abstand ist wichtig, damit Dinge, die ich beobachtet habe, sich setzen können'.

Über sich selbst sagt die Autorin: 'Ich glaube schon, dass ich ein bisschen eigen bin.' Und wenn sie erzählt, dass sie nicht eben eine 'exzellente Hausfrau' sei, ist da wieder das vergnügte Blitzen in den Augen. 'Wenn ich mich entscheiden muss, ob ich Fenster putze oder ein Gedicht schreibe, dann schreibe ich - zumindest solange ich noch durch die Scheibe sehe.'

Äußerlichkeiten und Normen sind Habasch nicht wichtig. Ihre Gedichte bringen den Leser zum Stolpern. Bewusst wählt sie die Kleinschreibung, bedient sich sehr kurzer Sätze und schreibt buchstäblich ohne Punkt und Komma. 'Bei Lyrik muss man sich konzentrieren', sagt die Autorin. Außerdem sei der Kurz-Stil praktisch: 'Es geht schneller', sagt sie und lacht.

In ihren Krimis liegen die Sympathien der Autorin meist 'eindeutig beim Täter': Die verpassten dem Opfer nämlich oft die gerechte Strafe für etwas, was es vorher getan hat. 'Es gibt Leute, die immer nur dulden und dulden.' Sie habe 'ein Gerechtigkeitsgefühl, das manchmal übers Ziel hinaus schießt'. Im Fall ihres Krimis 'Der Lanzer' brachte es ihr 2002 aber sogar den zweiten Platz beim Deutschen Kurzkrimi-Preis ein. Es war der erste von 'vier oder fünf Krimis', die Habasch bislang geschrieben hat.

Hauptsächlich arbeitet sie an Kurzgeschichten und Gedichten. Die sind in Anthologien, Literaturzeitschriften und beim Bayerischen Rundfunk veröffentlicht worden. Auch ein Buch mit dem Titel 'die liebe kam von links', Habaschs Liebling unter ihren Kurzprosa, ist erschienen. Eine Kurzgeschichte erzielte den zweiten Preis bei einem Schreibwettbewerb in Isny. In der Geschichtensammlung 'Vom Elch geküsst! Liebestolle Weihnachtsgeschichten' findet sich Habaschs Name neben Autoren wie Kishon, Dörrie und Ringelnatz.

In Zukunft möchte Habasch noch einiges versuchen. 'Zum Beispiel würde ich mich gern mehr mit Bildhauerei beschäftigen.' Außerdem will sie sich irgendwann an ein ganz neues Projekt wagen - ein Kinderbuch. Eins steht schon fest: 'Mit Sicherheit wird es ein sehr freches Kinderbuch.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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