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Beipackzettel gründlich lesen

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l Antibiotika hatte ein Unterallgäuer Arzt einer Ostallgäuerin verschrieben - und sie, so die junge Frau, nicht darauf aufmerksam gemacht, dass diese Arznei unter Umständen auf die empfängnisverhütende Wirkung der Anti-Baby-Pille wirken könnte. Sie wurde nicht schwanger - soviel sei vorausgeschickt. Die Frau und ihr Partner aber wandten sich erbost an den Arzt, an die Kassenärztliche Vereinigung, an die Hersteller der Arzneien und an die Presse. Denn erst Bekannte, und nicht der Arzt hatten die jungen Leute auf die mögliche Problematik, Pille und Antibiotika zugleich einzunehmen, aufmerksam gemacht.

Erzürnt wandte sich der junge Mann an den Arzt. Dieser hatte ihm nach hartnäckigem Nachfragen schriftlich erläutert, dass der Wirkstoff von Antibiotika die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel herabsetzen könnte. Für das verordnete antibiotische Präparat jedoch habe sich ein solcher Verdacht in zwei klinischen Studien nicht bestätigt. Auch in der Packungsbeilage werde davon nichts erwähnt. Auch an die Hersteller von Pille und Antibiotika wandte sich daraufhin der Ostallgäuer. Ergebnis: zu 100 Prozent ausschließen lässt sich nichts. «Obwohl es keine Hinweise für eine Wirkungsbeeinträchtigung gibt», so der Pillenhersteller, sei dennoch bei der Gabe jedes Antibiotikums überlegenswert, neben der Anti-Baby-Pille auf weitere Verhütungsmethoden wie zum Beispiel Kondome zurückzugreifen.

Kein Einzelfall

Das Ostallgäuer Paar ist kein Einzelfall. Es komme durchaus öfter vor, so Anne-Doris Roos als Leiterin der Beratungsstelle Pro Familia in Kempten, dass von Frauen ungewollte Schwangerschaften mit der parallelen Einnahme von Anti-Baby-Pille und Antibiotika begründet werden. Nachweisen lasse sich das wissenschaftlich freilich nicht. Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten könnten jedoch öfter nicht ausgeschlossen werden. Auch bei der Einnahme von zum Beispiel Johanniskraut, Antiepileptika oder Mitteln gegen Pilzinfektionen sollte bei der Verhütung nicht allein auf Hormone gesetzt werden. Sie empfehle, so Roos, bei Einnahme von Medikamenten und Anti-Baby-Pille immer aktiv das Gespräch darüber mit dem Arzt zu suchen. Ärzte, so meint sie, sollten ihrerseits Frauen im gebährfähigen Alter bei Verordnungen von bestimmten Medikamenten auch auf die Anti-Baby-Pille ansprechen.

Roos: « Es liegt aber in der Verantwortung beider Seiten.» Darüber hinaus werde erwartet, dass die Beipackzettel genau durchgelesen werden. Und bei den zu Anti-Baby-Pillen werde in der Regel auf die Antibiotika-Problematik hingewiesen.

Auch die Organisation «Ärzte im Netz» bestätigt: Bei gleichzeitiger Anwendung der Anti-Baby-Pille und bestimmter Antibiotika kann die Zuverlässigkeit der Empfängnisverhütung beeinträchtigt werden.» Denn Antibiotika können zu einer Veränderung der Darmflora führen und den Stoffwechsel hormoneller Verhütungsmittel beeinflussen.

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