Beim Knöllchen kann auch der Bürgermeister nicht helfen

Kempten/Oberallgäu | bec | Welche Interessen hat eine Stadt oder Gemeinde und welche Ziele verfolgt sie? Fragen, über die sich ein Bürgermeister zwangsläufig Gedanken machen muss. Um sie zu beantworten, braucht er den Kontakt zu den Bürgern, muss wissen, worauf es ihnen ankommt. Viele Rathauschefs haben deshalb Sprechstunden eingerichtet. Ohne Termin können die Bürger dann vorbeikommen und ihre Anliegen vortragen. Doch welche sind das? Was ist wichtig? Einige Bürgermeister erzählen.

Drei Möglichkeiten hat, wer einem Verantwortlichen der Stadt schnell und unbürokratisch sein Anliegen näher bringen möchte. Da wäre Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer. Meist einmal die Woche - mal vormittags, mal nachmittags, damit wirklich jeder die Gelegenheit bekommt - nimmt er sich für seine Kemptener Zeit. Und die Themen, die sie vorbringen, 'sind einfach ein Spiegelbild von dem, was in der Stadt passiert', sagt Netzer. Das gehe vom Verkehr übers Parken bis hin zu sozialen Fragen. 'Und ab und an', verrät Netzer, 'kommt schon mal einer mit einem Strafzettel - hat bei mir aber auch kein Glück.' Meistens, räumt er ein, komme bei den Gesprächen Kritik auf den Tisch. 'Und dann können die Leute auch mal so vehement sein, dass ich das Ganze höflich aber bestimmt abbrechen muss.' Für 'fast wichtiger' als die Sprechstunde hält das Stadtoberhaupt aber die 'Kontakte am Rande' - bei Terminen oder einfach auf der Straße. 'Weil ich viel zu Fuß unterwegs bin', sagt Netzer, 'werde ich oft angesprochen.' Die Anliegen notiere er in sein Büchlein und leite sie weiter.

Regelmäßige Sprechzeiten räumen den Kemptenern auch Netzers Stellvertreter Josef Mayr und Dieter Zacherle ein. Und da, sagt Zacherle, geht es nicht nur um kommunalpolitische Themen wie derzeit etwa den Flächennutzungsplan. 'Oft geht es um persönliche Dinge und da kann man - wie bei Nachbarschaftsstreitigkeiten - nicht immer helfen. Aber die Leute wollen einfach Dampf ablassen oder suchen Trost.' Das kann Zacherles Amtskollege Mayr bestätigen. Man müsse halt viel zuhören. Dabei sei es manchmal aber doch möglich, weiterzuhelfen. Mayr erinnert sich: 'Ich habe bei Regen mal einen jungen Zimmerer im Auto mitgenommen, der darüber klagte, dass er keine Arbeit findet. Ihn konnte ich an eine Firma weitervermitteln.'

Bauangelegenheiten, Hundekot auf Gehsteigen oder das Parken: Diese Themen kennt Waltenhofens Rathauschef Eckhard Harscher gut. Die Sprechstunde, die er gleich nach seinem Amtsantritt eingeführt hat, hält er für wichtig. 'Es kommt nicht darauf an, immer sofort Lösungen anzubieten', weiß Harscher. Wichtig sei, dass man sich kümmere. Die Resonanz auf die Sprechstunde gebe ihm Recht, wenngleich die Waltenhofener jederzeit auf ihn zukommen könnten. 'Ich bin im Vereinsleben aktiv und da kann man Dinge auch mal am Stammtisch besprechen. Berührungsängste darf man keine haben.'

Bürgersprechstunde ist bei Buchenbergs Gemeindechef Toni Barth quasi immer, wenn er im Rathaus sitzt und keine Termine hat. In den Gesprächen, sagt er, gehe es oft um ganz alltägliche Dinge. Dabei erinnert er sich an einen kuriosen Fall: Ein Grundstückseigentümer wollte, dass der Winterdienst - gegen Bezahlung - seinen Privatweg miträumt. 'Und später', meint Barth, 'wollte er dann einen Ausgleich für die dadurch verursachten Straßenschäden.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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