Bei Rauch im Flur in der Wohnung bleiben

Westallgäu | pem | Die Bilder des brennenden Hauses und verzweifelter Rettungsversuche gingen um die Welt: Bei einem Feuer in einem Mehrfamilienhaus in Ludwigshafen sind neun Menschen ums Leben gekommen. Die Heimatzeitung hat mit Kreisbrandrat Friedhold Schneider über Brände in Mehrfamilienhäusern gesprochen. Der Chef der Landkreisfeuerwehren gibt Tipps, wie Bewohner sich verhalten sollten.

Was ist denn das Gefährliche an Bränden in Mehrfamilienhäusern?

Friedhold Schneider: Das gefährliche sind meist nicht die Flammen, sondern der Rauch. Treppenräume in Mehrfamilienhäusern wirken oft wie Kamine. Rauch und Hitze ziehen blitzschnell in die oberen Stockwerke. Das versperrt Menschen, die sich über den Flur in Sicherheit bringen wollen, den Fluchtweg. Und je nachdem, wie giftig die Rauchgase sind, reichen ein paar Atemzüge, um das Bewusstsein zu verlieren. Der Tod durch Einatmen von hochgiftigem Brandrauch ist dann nicht weit.

Was raten Sie Menschen bei Bränden in Mehrfamilienhäusern?

Friedhold Schneider: Es ist schwierig, in einer ungewohnten, bedrohlichen Situation überlegt zu handeln. Deshalb sollte man sich an einen einfachen Grundsatz halten: Wenn es in der Wohnung brennt, verlasse ich sie, schließe die Wohnungstür und benutze den Treppenraum, nie den Aufzug. Ganz anders verhalte ich mich, wenn es im Treppenhaus brennt. Dann bleibe ich in der Wohnung und bin so vor Rauch und Feuer besser geschützt.

Wie mache ich dann die Rettungskräfte am besten auf mich aufmerksam?

Schneider: Am besten ich stelle mich ans Fenster, winke und rufe um Hilfe. So bemerken die Helfer Menschen auch schneller als wenn sie sich im Flur aufhalten.

Immer wieder kommt es vor, dass Menschen von Balkonen oder aus dem Fenster springen, weil sie fürchten, die Retter kommen nicht rechtzeitig. Wie lange kann es denn im Westallgäu dauern, bis die Feuerwehr vor Ort ist?

Schneider: Das hängt immer von der jeweiligen Tages- und Nachtzeit ab, ist der Einsatz in der Nacht, am Tag, haben wir Schnee auf der Straße, oder Sommer. Es gibt aber eine Richtlinie: Spätestens in zehn Minuten ist die Ortswehr mit dem ersten Einsatzfahrzeug vor Ort. Das halten wir im Westallgäu auch ein.

Das erste Einsatzfahrzeug führt dann auch Geräte wie eine Leiter mit?

Schneider: Ja, Gerätschaften und Personal. Das erste Fahrzeug ist mit sechs Mann besetzt. Mit dem zweiten Einsatzfahrzeug kommen weitere neun Mann. So sind in der Regel zehn Minuten nach der Alarmierung 15 Feuerwehrler vor Ort. Wir alarmieren zudem lieber etwas mehr Wehren, weil man nie genau weiß, ob besondere Umstände vorliegen, die den Einsatz für einen Teil der Helfer verzögern und wie sich die Lage entwickelt. Ausgehend vom Zimmerbrand folgt in Minutenschnelle der Wohnungsbrand und daraus der Etagenbrand mit der Folge, dass die Feuerwehr dann einen ganzen Gebäudebrand vorfindet.

Wenn es brennt, ist der Schaden oft groß. Wie kann man denn Feuern in Mehrfamilienhäusern vorbeugen?

Schneider: Das kann mit einfachen Mitteln geschehen: Wenn ich grundsätzlich die Kellertür schließe und verhindere, dass brennbare Gegenstände im Treppenraum gelagert werden, verringert das die Brandgefahr enorm. Eine rechtzeitige Warnung bieten Rauchwarnmelder, die in einigen Bundesländern schon vorgeschrieben sind. Unter dem Motto 'Rauchmelder sind Lebensmelder' raten wir seit vielen Jahren zum Einbau der wenige Euro teuren Geräte. Denn wenn es brennt, wird man nicht von alleine wach.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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