Frauennotruf
Bei Missbrauch doppelt so viele Anschuldigungen gegen Junge als im Vorjahr

Der Frauennotruf der Arbeiterwohlfahrt für vergewaltigte und sexuell misshandelte Frauen und Kinder schlägt Alarm: «Die Zahl der jugendlichen Straftäter ist auch 2010 gestiegen», zeigte sich Sozialpädagogin Ilona Braukmann vom Notruf bei der Vorstellung des Jahresberichts besorgt: «Die Anzahl der jungen Täter hat sich im Vergleich zu 2009 von 24 auf 54 mehr als verdoppelt.» Erschreckend sei in dem Zusammenhang auch, dass diese jungen Täter entweder in verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Verhältnissen zu den Opfern standen.

In solchen Fällen könne man noch nicht wirklich von Tätern sprechen, meinte Sonderpädagogin Petra von Sigriz: «Man bezeichnet es dann als grenzüberschreitend in sexueller Hinsicht.» Einig ist sie sich mit ihrer Kollegin: «Diese Kinder brauchen dringend therapeutische Hilfe.»

Wenngleich der Notruf insgesamt weniger Klienten hatte - es waren 4811 -, so sei doch die Zahl der Langzeitberatungen um 67 Personen angestiegen. Insgesamt suchten 251 Klienten Hilfe. Braukmann: «Die Intensität und der Zeitbedarf haben bei den Langzeitberatungen zugenommen.» Gerade in der Einzel- und Paarbegleitung habe sich die Zahl der Sitzungen fast verdoppelt. 80 Anfragen weniger als 2009 gab es in der Kurzberatung per Telefon.

Ein Blick in die Statistik: 97-mal wurde ein aktueller Missbrauch gemeldet, 66-mal ging es um einen Verdacht, 24-mal um Missbrauch in der Kindheit. Des Weiteren wurde Hilfe wegen 46 Vergewaltigungen angefragt. Weiter auf der Liste: häusliche Gewalt (51), sexuelle Belästigung (22), sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz (neun), Mobbing (acht), Nachstellung (sechs). 59-mal wurden Krisensituationen (wie Probleme beim Umgangsrecht) als Anlass für einen Kontakt genannt. Die Liste der Täter wurde weiter angeführt vom Vater (69). 54 Anschuldigungen gegen Jugendliche gab es. Bekannte/Freunde (21), aber auch Mütter (19) gehörten mit ins Täterprofil.

Neben der Beratungsarbeit ist dem Notruf-Team die Präventionsarbeit wichtig. «Vorbeugung nicht früh genug einsetzen», argumentierte Braukmann. Als erfolgreich bezeichnete sie die großangelegte Kampagne zur häuslichen Gewalt (wir berichteten), bei der sich unter anderem Politiker starkmachten zum Schutz von Frauen und Kindern.

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