Allgäu / München
Bei der Bahn soll die Post abgehen

Nach der beschlossenen Elektrifizierung der Bahnlinie München-Lindau soll auf der Strecke die Post abgehen: Statt der bisher 27 Züge pro Tag sieht der Bundesverkehrswegeplan ab 2015 über 60 Züge vor. Die gute Nachricht für die Allgäuer: Die Mehrzahl des neuen Angebots wären zusätzliche Nahverkehrszüge. Der Haken für Anlieger: Die Zahl der - häufig nachts verkehrenden - Güterzüge vervielfacht sich. Das Ganze ist aber nur eine Prognose und diese wird vom Memminger Oberbürgermeister als «willkürlich» bezeichnet.

Die Verbindung von München nach Lindau ist derzeit hauptsächlich für den Fernverkehr Richtung Zürich und weiter nach Italien wichtig. Die Schweiz drängt daher seit langem auf eine Modernisierung. Nach jahrelangem Hin und Her wurde - wie mehrfach berichtet - heuer ein Vertrag unterzeichnet, der eine Elektrifizierung der Strecke vorsieht. 50 der insgesamt vermutlich 200 Millionen Euro Baukosten sagte die Schweiz als Darlehen zu, sofern mit der Maßnahme spätestens 2010 begonnen wird. Nach Aussage des Verkehrsreferenten im bayerischen Wirtschaftsministerium, Hans Peter Göttler, ist diese zeitliche Bedingung überholt. Maßgebend sei ausschließlich der Fertigstellungstermin 2015, stehe in dem Vertrag zwischen Bundesregierung, bayerischer Staatsregierung, der Schweiz und der Deutschen Bahn.

Um in den kommenden sechs Jahren fertig zu werden, muss zügig gehandelt werden. Die Bahn bereite bereits das formale Genehmigungsverfahren vor, so Göttler. Ein maßgebliches Detail des Aber-Millionen-Projektes ist bislang jedoch noch völlig offen. Es geht um die ungeklärte Frage, was aus dem Lindauer Bahnhof wird. Die Bahn will die Sackgasse auf der Lindauer Insel mit Fernverkehrszügen nicht mehr anfahren. Hauptziel des Streckenausbaus ist die Verkürzung der Fahrzeit von München nach Zürich um 50 Minuten auf unter vier Stunden. Bisher müssen in Lindau die Züge umgekoppelt werden. Die Stadt Lindau pocht jedoch weiterhin auf eine Anbindung der Insel, die große touristische Bedeutung hat. Im Lindauer Stadtrat geht es zu diesem Thema seit langem politisch Hin und Her. Im Wirtschaftsministerium gibt man der Bodenseestadt höchstens noch bis Ende dieses Jahres Zeit, die Sache mit der Bahn auszuhandeln.

Laut Göttler käme ansonsten die Gesamtplanung in Verzug: Es drohe, dass die Züge künftig an der Stadt Lindau vorbeifahren.

Nahverkehr soll profitieren

Wie die Nahverkehrsanbindung auf der Strecke einmal aussehen wird, ist laut Göttler von der Bahn noch nicht durchgeplant. Diese verweist in einem Brief an Buxheims Bürgermeister Werner Birkle lediglich auf Prognosen im Bundesverkehrswegeplan. Göttler geht davon aus, dass speziell der Nahverkehr stark profitieren wird. Die wohl gravierendste Verbesserung für die Reisenden werde die Einbindung in den Taktfahrplan sein. Der Memminger Oberbürgermeister glaubt freilich, dass aus heutiger Sicht niemand das Verkehrsaufkommen für 2015 wirklich vorhersagen könne.

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