Beckstein lobt Ärztenetz

Unterthingau/Ostallgäu | rel | Es war kurz vor der Kommunalwahl im März, als zwei Ostallgäuer Mediziner dem bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein bei einer Wahlkampfveranstaltung in Ruderatshofen auf die Existenzsorgen der Hausärzte auf dem Lande aufmerksam machten. Diesen Donnerstag besuchte Beckstein erneut das Ostallgäu und nahm sich - zwischen einem Fendt-Besuch und seinem Auftritt in Schweinlang zum Tag des offenen Dorfes - die Zeit, sich die Sorgen und Nöte niedergelassener Haus- und Fachärzte anzuhören. Landtagsabgeordnete Angelika Schorer und Dr. Christian Alex, Landesvorsitzender des gesundheitspolitischen Arbeitskreises der CSU, hatten das Treffen eingefädelt und das Ostallgäuer Ärztenetz «geniall» gebeten, hierzu Vertreter zu schicken. So saßen denn, rund zwei Wochen nach Ende der bayernweiten Protestaktion der Hausärzte, im «Felderwirt» in Unterthingau neun Ärzte der Politikerriege gegenüber, um sich hinter verschlossenen Türen auszutauschen.

Lob für hiesige Mediziner

Die Begegnung verlief wohl sehr friedlich. Als die Türen schließlich für die Journalisten wieder geöffnet wurden, waren jedenfalls keine Blessuren medizinisch zu behandeln. Vielmehr äußerte sich jede Seite anerkennend über sein Gegenüber. Der Gesundheitsbereich sei für den Ministerpräsidenten ein wichtiges Thema, unterstrich zunächst Landtagsabgeordnete Angelika Schorer. Beckstein zeigte sich sehr erfreut über das Gespräch: «Ich habe hier mit hoch engagierten Ärzten gesprochen», lobte er. Besonders erfreulich sei die gute Zusammenarbeit zwischen Fach- und Hausärzten im Ostallgäu. Beckstein: «Wenn es überall so wäre, dann hätten wir in Bayern nur Freude.»

Interessenkonflikte befürchtet

Beckstein zeigte sich «felsenfest» davon überzeugt, dass es bei der ärztlichen Versorgung richtig sei, auf niedergelassene Fach- und Hausärzte zu setzen. Dieses System sichere die persönlichen Beziehungen zwischen den Ärzten und Patienten, was wiederum zum Heilerfolg beitrage. Der Ministerpräsident warnte davor, durch die Reduzierung von Leistungen und Honoraren das Versorgungsniveau zu senken. Deutlich sprach er sich gegen Medizinische Versorgungszentren (MVZ) aus, hinter denen zum Beispiel Konzerne stecken: «Es ist nicht gut, wenn Aktiengesellschaften MVZ betreiben.» Solche Eigentumsverhältnisse führten zu Interessenkollisionen zu Lasten der Patienten.

Beckstein kündigte an, das Leistungsentgelt der niedergelassenen bayerischen Haus- und Fachärzte werden im nächsten Jahr voraussichtlich zwischen 2,5 und 3 Prozent steigen.

Ein weiteres Thema des Treffens mit den Ärzten war die Finanzierung der Krankenhäuser. Der Politiker plädierte «entschieden» dafür, bei der dualen Finanzierung - die Patientenkosten übernehmen die Kassen, die Investitionen trägt das Bundesland - zu bleiben. Andere Pläne in Berlin hält er für «nicht vernünftig». Die Krankenhaus-Planung müsse bei den Ländern bleiben, betonte Beckstein. Dr. Marlene Lessel (Kaufbeuren), niedergelassene Pathologin und Vorsitzende des ärztlichen Kreisverbandes, dankte für das Treffen. Sie zeigte sich zufrieden mit den Antworten auf die Fragen der Ärzte und betonte, man werde im Gespräch bleiben, zumal die Ärzte noch viele Problem hätten.

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