Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Prozess
Baumaschinen gestohlen: Haft

Wegen schweren Bandendiebstahls ist ein 43 Jahre alter polnischer Staatsbürger gestern vom Landgericht Kempten zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann Anfang Mai zusammen mit mindestens einem unbekannten Mittäter Baumaschinen im Gesamtwert von rund 45000 Euro vom Gelände einer Kemptener Firma gestohlen hat. Darunter befanden sich unter anderem fünf Rüttelplatten, ein Dampfstrahler und ein Hydraulikhammer. Der in Polen wohnende Angeklagte hatte nach Ansicht des Gerichts vor, die Baumaschinen zu verkaufen, und sich durch weitere Diebstähle eine Einnahmequelle über einen längeren Zeitraum zu verschaffen. Zu diesem Zweck habe er sich mit den Unbekannten zu einer Bande zusammengeschlossen. Seit Ende Mai saß er bereits in Untersuchungshaft in Kempten.

Verhandlung bereits ausgesetzt

Die Verhandlung hätte bereits Anfang Oktober stattfinden sollen. Das Verfahren wurde jedoch ausgesetzt, da der 43-Jährige die Anklageschrift erst am Tag der Verhandlung in seiner Muttersprache erhalten hatte. Seinen Angaben zufolge konnte er sich nicht ausreichend auf den Prozess vorbereiten.

Nun, da er die Anklageschrift kannte, äußerte er sich jedoch nicht wie vom Richter verlangt zum Fall, sondern versuchte zunächst, einige Punkte aus dem Skript in Frage zu stellen. Außerdem dachte der Angeklagte, er könne erneut beantragen, dass der Prozess verschoben wird. Seiner Meinung nach sei der Vorwurf völlig falsch und daher weitere Ermittlungen dringend nötig. Mehrmals musste der Richter erklären, dass das Ermittlungsverfahren längst abgeschlossen sei.

Angeklagter: Bin unschuldig

Schließlich behauptete der Angeklagte, der bereits in Polen Haftstrafen wegen schweren Diebstahls verbüßen musste, unschuldig zu sein. Er sei von seinem Auftraggeber, dessen Namen er nicht kenne, angeheuert worden, Dünger von Polen nach Deutschland auszuliefern. Nachdem ein Teil dieser Ware abgegeben war, fuhr er mit seinem Auftraggeber nach Kempten, wo dieser ihn angeblich für einige Stunden in unmittelbarer Umgebung der bestohlenen Firma alleine und unwissend stehen ließ. Von dort aus wurde er weiter nach Österreich geschickt und erst dort wurde sein Mietwagen angeblich mit der Ware beladen. Dass diese gestohlen war, habe er nicht gewusst, bis er damit von der Polizei aufgegriffen wurde.

Der Richter wollte ihm diese «wilde Schnitzeljagd-Story» nicht abnehmen und sagte: «Wenn Sie in den Spiegel schauen und Ihrem Spiegelbild diese Geschichte auftischen, glauben Sie sich doch selbst nicht.» Aufgrund der drückenden Beweislage sah es das Gericht schließlich als erwiesen an, dass der Angeklagte die Maschinen selbst gestohlen hat.

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