Bauernhof-Kindergarten, Dorfladen und Solarfonds

Kempten (ir). Drei weitere 'Pioniere der Region' hatten jetzt im Kempodium das Wort. In der zweiten Veranstaltung der gleichnamigen Kulturreihe stellte Hermann Kerler den erfolgreichen regionalen Solarfonds der Raiffeisenbank Pfaffenhausen vor. Innerhalb nur weniger Wochen hätten 55 Kommanditisten über 750 000 Euro gezeichnet. Der Solarfonds komme nicht nur Anlegern und Umwelt zugute, es profitieren auch soziale Projekte: 'Es gibt glücklicherweise Partner, die auf einen Teil der Miete zugunsten sozialer Projekte in der Region verzichten.' Der regionale Solarfonds in Pfaffenhausen stoße auf wachsendes Interesse und entwickle sich zum Vorbild für andere Regionen. Anfragen kämen aus Augsburg und München.

Die Bäuerin Anne Marie Muhs aus Krummbek in Schleswig-Holstein berichtete, dass sie ihren Hof mit ihrem Mann schon in dritter Generation bewirtschafte. Beide hätten sich dem Diktat 'wachsen oder weichen' bisher erfolgreich widersetzen können. Ihr Konzept: Vielfalt, und nicht jedem Trend folgen. Sie züchten die alte Rasse 'Angler Sattelschwein', schlachten selbst und stellen auch selbst Fleisch und Wurst her. Verkauft werde auf dem Wochenmarkt und im 'Hofwagen'. Die gute Qualität der Produkte habe den Muhs einen treuen Kundenstamm beschert.

Auf reges Interesse bei den Zuhörern stieß die Angebotsvielfalt, die es auf dem Muhs-Hof für Kinder gibt. In den Bauernhofkindergarten 'Wurzelkinder' kämen 16 Kinder im Alter zwischen 3 und 8 Jahren und erleben an vier Vormittagen bäuerliche Landwirtschaft. 'Das ist bei uns kein Streichelzoo', betont Bäuerin Muhs, die in der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof engagiert ist, 'die Kinder arbeiten mit, wo es eben möglich ist'. Sie helfen beim Stallausmisten, füttern die Schweine und sammeln Hühnereier. Die andere Zeit verbringen sie mit 'buddeln' am Sandhaufen, toben auf dem Strohboden, mit spielen und basteln im Kinderhaus oder klettern im Obstgarten. Die Warteliste und das Interesse älterer Kinder sei gewachsen, die Idee 'Natur-Erlebnis-Hof' erfolgreich in die Tat umgesetzt, neue Arbeitsstellen seien geschaffen worden. Finanziert werde der Bauernhof-Kindergarten aus Mitgliedsbeiträgen, für die Natur-Erlebnis-Angebote gebe es öffentliche Zuschüsse.

Ein Konzept zur 'wohnortnahen Grundversorgung' hat Irmgard Osterberger ins Leben gerufen: den Dorfladen Allgäu. Inzwischen sei ein ganzes Netz solcher Läden entstanden, die eine stattliche Warenvielfalt vorhalten und mit dem alten Tante-Emma-Laden nichts mehr gemein hätten. Neben Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs gebe es auch Dienstleistungen wie Post und Bank sowie einen Lieferservice für Dorfbewohner, die nicht selbst einkaufen können.

Damit wurden laut Osterberger nicht nur neue Arbeitsplätze geschaffen, auch der Kontakt der Dorfbewohner untereinander sei neu belebt worden.

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