Obergünzburg / Ostallgäu
Bauern wollen den Milchmarkt bereinigen

Derzeit liegt der Milchpreis bei 18 bis 24 Cent pro Liter. Für Landwirte reiche deshalb das Milchgeld zu täglichen Produktion nicht aus, meint der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). «Das Beste für die Steuerzahler und Bauern ist, die Milchmenge dem Markt anzupassen. Doch das wird nicht gemacht, stattdessen wird die Quote aufgeweicht», meint Anton Hörmann, Landkreisvertreter des BDM aus Hauprechts.

Um den Markt zu stabilisieren und dem Berufsstand aus der Krise zu helfen, hat der BDM eine Initiative gestartet: Die «Freiwillige verpflichtende Mengenstilllegung gegen Vergütung» (FSM). Diese Aktion stellt der Verband bei einer vierteiligen Veranstaltungsserie im Ostallgäu vor, deren Auftakt im Gasthof «Zum Schwanen» in Obergünzburg stattfand. Am heutigen Donnerstag geht es im Gasthof Brem in Ketterschwang weiter, danach am 1. September im Gemeindezentrum Seeg (jeweils um 20 Uhr).

Desaströse Situation

Denn die Ist-Situation der Bauern sei desaströs: Seit dem Jahr 2008 seien rund zwei Millionen Tonnen Milch in Deutschland und drei Nachbarländern überproduziert worden.

Zudem gebe es seit 20 Jahren erstmals einen Nachfragerückgang, der mit dem Milchpreisverfall einherginge, erläutert der Pforzener Wolfgang Altthaler vom Kreisvorstand Ostallgäu. Hilfsmaßnahmen der EU-Kommission wie etwa Exporterstattung und Intervention führten zu Wettbewerbsverzerrung und erheblichen Lagerbeständen, die den Zusammenbruch des Marktes nicht verhinderten, so Altthaler weiter.

Falle nun ein Familienmitglied in einer Landwirtschaft aus, könne ein Betrieb dichtmachen, weil er sich keine bezahlten Mitarbeiter leisten könne, so Hörmann: «Die Politik tut nichts und die Molkereien tauchen ab. Wir müssen etwas selber machen. Deshalb der freiwillige Milchverzicht. Wenn dann die Milchmenge sinkt, müssen die Molkereien reagieren und der Handel auch», meint er.

Die FSM werde bereits in einigen Betrieben im Ostallgäu praktiziert. Dabei verpflichten sich Milcherzeuger gegen Vergütung auf bis zu zehn Prozent ihrer Referenzmenge - also der ihnen laut Quote zustehenden Menge - zu verzichten. Gleichzeitig sollen die Molkereien die Initiative unterstützen und den verzichtenden Bauern eine Art Ausgleichsvergütung zahlen. Die Molkereien könnten dann nämlich mit einem verlässlichen Preis kalkulieren und stärkten zudem ihre Position gegenüber dem Handel. Dabei sinken Milchmenge und Angebot, während der Milchpreis steige, so Altthaler. «Das ist schnell wirksam und wir brauchen keine Steuergelder.»

Dafür müsste aber auch die Politik reagieren und die Saldierung, also das gegenseitige Aufrechnen von Unter- und Überlieferung der Quote, auf maximal zwei Prozent beschränken. Bislang nutzten einige Milcherzeuger die Saldierung, indem sie legal deutlich Milch überliefern, was andere nicht liefern, so Altthaler.

Bliebe die Saldierung, würde sie die Aktion des BDM zudem konterkarieren. «Mit der FSM helfen wir uns selbst und werden glaubwürdiger in der Gesellschaft, da wir den Markt selbst bereinigen», meint Altthaler.

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