Marktoberdorf
Bauern legen es auf Enteignung an

Wenn die Regierung von Schwaben den Bau einer Umgehung für Marktoberdorf und Bertoldshofen durch das Geltnachtal genehmigt, wird der Grund dafür wohl nur durch ein Enteignungsverfahren zu bekommen sein. Dies machten gestern mehrere Landwirte bei der Erörterung im Planfeststellungsverfahren im Rathaus deutlich.

Sieben Betrieben würden durch die Baumaßnahme mehr als fünf Prozent ihres Grunds entzogen, listete Katharina Wallach vom Amt für Landwirtschaft auf. Sie sieht Anzeichen, dass die drei Haupt- und vier Nebenerwerbslandwirte in ihrer Existenz gefährdet werden.

24 Hektar Landverbrauch

Diesen Aspekt interessierte Maria Halser-Friedl als Verhandlungsleiterin der Regierung von Schwaben ausführlicher und sie ließ die anwesenden Bauern die Problematik darstellen. Diese führten aus, dass nicht nur der Verlust von circa 24 Hektar für die Landwirte zu verschmerzen wäre. Gleichzeitig würden viele Flächen so zerschnitten, dass unwirtschaftliche Restflächen entstehen - beispielsweise am Talhang oder zwischen Straße und Bach.

«Wir haben uns abgesprochen, dass wir keinen Grund freiwillig hergeben. Das geht nur im Enteignungsverfahren», erklärte Anton Einsle aus Bertoldshofen, der rund zehn Prozent seiner Fläche verlieren würde. Ähnlich stellte dies Alois Trautwein aus Altdorf dar.

Da half es auch nichts, dass die Straßenbauverwaltung hektarweise Ersatzflächen aus eigenem Besitz anbieten kann. Rund 20 Hektar habe der Bund entlang der B472. Neun Hektar liegen bei Bertoldshofen, sieben bei Selbensberg. Hinzu kommen Flächen der Stadt, die für einen Grundtausch in Frage kommen. Martin Frei aus Bertoldshofen entgegnete, dass viele dieser Flächen bereits an Bauern verpachtet seien. Daher stellten sie keinen echten Ausgleich dar. Norbert Fichtl erklärte sich für die Pfarrpfründestiftung solidarisch mit den Bauern.

Diese Stiftung besitzt dort große Flächen. Ihr Entgegenkommen ist nötig, um eine andere Forderung der Landwirte zu erfüllen: Wenn die Trasse verwirklicht wird, ist die Unterführung an der alten Straße von Kreen nach Bertoldshofen für große landwirtschaftliche Maschinen zu eng geplant. Verschiebt man die Unterführung und den Weg zum Hang hin, wird ein größerer Durchlass möglich. Doch auch dieser Grund gehört der Kirchenstiftung.

Kernforderung: Tal verschonen

Die Landwirte betonten zudem ihre eigentliche Kernforderung: Die Trasse ist aus ihrer Sicht falsch gewählt. Vor allem die Anbindung der B16 durch eine Spange nordwestlich von Bertoldshofen sei unakzeptabel. Die Lösung all ihrer Probleme sehen sie in einem Wechsel auf die Korbseetrasse. Dies betonten auch alle anderen Einwender aus dem Geltnachtal.

Erwin Fahr ergänzte, am sinnvollsten wäre es, die Trasse von der B16 in Stötten direkt bis Selbensberg zu verlängern und bei Bernbach an die B12 anzuschließen. Dem widersprachen die Naturexperten des Straßenbauamtes: Beim Korbsee finden sich zu viele wertvolle Biotopflächen. Kostengründe, so Straßenbauer Dr. Hermann Streicher, hätten dabei keine Rolle gespielt. Denn die Korbseetrasse mit fünf Kilometern durch freie Natur hätte fast gleichviel gekostet wie die Trasse durchs Geltnachtal. Problem der Korbesee-Trasse sei auch, dass der Verkehr von Marktoberdorf aus weiter durch Bertoldshofen laufe und kaum Entlastung stattfinde.

Dass man nicht von Stötten bis zur B12 plane, liege daran, dass man einen anderslautenden gesetzlichen Auftrag hatte: Ziel sei Marktoberdorf und Bertoldshofen zu umgehen. Dies stieß bei Fahr auf Unverständnis. Denn auch bei Stötten werde nun die Straße aufwendig ausgebaut und in absehbarer Zeit komme wohl auch aus Rieder der Ruf nach einer Umgehung.

Der Erörterungstermin wird am heutigen Mittwoch um 9.30 Uhr im Rathaussaal fortgesetzt.

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