Kempten / Oberallgäu
Bauern als Boden- und Klimaschützer

Ein Schreckensszenario malte beim ersten Bund Naturschutz-Grünlandgipfel in Kempten der Landesvorsitzende des Verbands deutscher Milchviehhalter (BDM), Balthasar Brandhofer, an die Wand: «Großkonzerne wollen Boden in ihren Besitz bringen, um die Gesellschaft zu kontrollieren.» Da gelte es hellhörig zu sein, denn «Wasser, Energie und Lebensmittel sind unsere Zukunft.» Bäuerliche Landwirtschaft sei das einzig zukunftsfähige Modell, pflichtete Prof. Dr. Hubert Weiger bei, der Vorsitzende des Bund Naturschutz in Bayern und die anderen Teilnehmer der abschließenden Podiumsdiskussion des Grünlandgipfels (wir berichteten). Zum Thema «Zukunft von Wiesen und Weiden in Bayern» meldeten sich auch Praktiker aus der Region zu Wort wie Alfred Enderle aus Wertach (Oberallgäuer Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband), Richard Haneberg (Biobauer aus Kempten) und Maria Heubuch aus Leutkirch (Bundesvorsitzendes der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft). Weiger hatte zuvor auf die wichtigen ökologischen Funktionen von Wiesen als Boden-, Hoch- und Trinkwasserschutz hingewiesen. Auch sei im Humusanteil des Bodens etwa doppelt so viel Kohlenstoff gespeichert wie in der Atmosphäre. Weiger: «Kohlenstoff im Boden zu speichern ist ein kostengünstiges und sofort einsetzbares Verfahren zum Klimaschutz.» Dauergrünland binde auch deutlich mehr Wasser als Ackerflächen.

«Das Grünland muss gestärkt werden, da gibt es aus meiner Sicht keinen Zweifel», stimmte da auch Enderle zu. Allerdings sei im Allgäu nicht das Umstellen auf Ackerbau das Problem, sondern die Verbuschung. Immer mehr Flächen würden nicht mehr gepflegt.

Die Artenvielfalt stehe in engem Zusammenhang mit der Landwirtchaft, betonte Maria Heubuch: «Die Landschaft, in der wir leben, ist ein Spiegelbild der Landwirtschaft.» Der Staat habe eine gewisse Verpflichtung und der Bürger ein Anrecht auf intakte Natur.

Studenten hätten sieben landwirtschaftlich genutzte Flächen von ihm untersucht, sagte Biobauer Haneberg, und 30 bis 55 Pflanzenarten entdeckt. «Das Ergebnis macht deutlich, dass es im Bio-Landbau blühende Wiesen gibt.

» Auch ohne Kraftfutter könnten seine Kühe mit 5000 bis 7000 Liter Milch eine gute Jahresleistung erbringen, «ohne Höchstleistungen hinterherzuhecheln». Dieses Denken müsse allerdings auch in die Ausbildung der Junglandwirte einfließen.

Ökologische und soziale Standards seien in der Agrarpolitik zu wenig wichtig, befand Weiger. Beim Weinbau komme es auf den Standort, die Reben, den Winzer und den Jahrgang an. «In der gesamten Agrarpolitik ist man von diesem Denken jedoch weit entfernt.» Um die bäuerliche Landwirtschaft zu sichern sollten regional vermehrt hochwertige Qualitätsprodukte vermarktet werden.

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