Füssen
«Baseball ist ein Leistungssport»

Wie man mit Niederlagen umgeht, wissen Johannes Krumm (18) und Christoph Ziegler (17). Auch wie man mit dem Druck umgeht, vor vielen Leuten zu spielen, haben sie bereits gelernt. Und das nicht nur aus eigener Erfahrung: Denn die beiden Baseballer aus Füssen wurden bei der U18-Europameisterschaft in Bonn sogar von einem professionellen Sportpsychologen betreut. Die Gymnasiasten betreiben ihren Sport ernsthaft, man merkt ihnen ihre Professionalität förmlich an. Beide wirken ruhig und abgeklärt, während sie von ihrer Teilnahme mit der Nachwuchsauswahl Deutschlands bei der Europameisterschaft berichten.

Dabei wurde ihr Team Anfang August sogar vom Fernsehen begleitet, schildert Christoph - es klingt beinahe, als wäre es das Normalste der Welt. Man könne Baseball, so wie sie ihn betreiben, durchaus als Leistungssport bezeichnen, sagt der 17-Jährige. Freizeit haben die beiden jedenfalls wenig: So verbringt Christoph neben täglichem Training und der Betreuung der Füssener Jugendspieler nahezu jedes Wochenende in Haar bei München.

Hier arbeitet er mit seinem Verein, den Haar Disciples, an seinem Spiel. Sonntags muss er oft noch weiter mit der Bahn pendeln - je nachdem, ob er ein Heim- oder ein Auswärtsspiel hat. Oftmals sind die beiden auch in Trainingscamps der bayerischen oder der deutschen Auswahl vertreten, die meist neben der Schule stattfinden. «Bezahlt wird man als Juniorenspieler aber nicht», erzählt der 17-jährige Christoph.

Bei der Europameisterschaft haben die beiden Freunde mit der deutschen Auswahl den fünften Rang erreicht. So richtig zufrieden sind sie damit allerdings nicht: «Wir hatten Potenzial für den ersten bis dritten Platz», meint Christoph nachdenklich. Doch das entscheidende Spiel in der Vorrunde gegen Russland ging 1:4 verloren. Mit nur einem Punkt mehr wären die Jungs ins Halbfinale eingezogen. «Aber so ist das nun einmal: Einen Tag hat man Glück, am anderen Tag fliegt der Ball dem Gegner ständig in die Hände», so Johannes. Man könne nie sagen, wer gewinnt. «Auch Favoriten erwischen einen schlechten Tag.»

Insgesamt empfand Johannes dieses Turnier jedoch als ein «Hammererlebnis, im eigenen Land bei so einer Stimmung vor so vielen Leuten zu spielen.» Die beiden Nachwuchsspieler liefen bis vor kurzem in der Ersten Bundesliga für die Gauting Indians auf. Während Christoph nun zu den Haar Disciples bei München gewechselt ist, spielt Johannes vorerst wieder für die Royal Bavarians Füssen. Angebote aus der Bundesliga jedoch gäbe es einige. Ob der Schüler indes wieder dorthin wechseln wird, weiß er noch nicht - ist der Zeitaufwand doch immens. Nach dem Abitur aber wolle er aber auf jeden Fall wieder ganz oben mitspielen, verrät der Gymnasiast.

Dass Johannes und Christoph nicht nur gute Spieler, sondern auch gute Trainer sind, beweisen sie in Füssen: Von den gut 20 jungen Baseballern, die sie bei den Royals betreuen, stehen sieben bereits in der Bayernauswahl - und haben dabei von den Erfahrungen ihrer beiden Trainer profitiert. Denn Johannes und Christoph wissen auch, wie man gewinnt.

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