Banküberfall sorgt für Lacher

Buchloe Politikern aus den 'oberen Etagen' wird gerne vorgeworfen, keine Ahnung vom 'wirklichen Leben' zu haben - wobei viele von ihnen auch ihr Bestes tun, diese Vorwürfe nicht zu entkräften. Einen solchen stellt auch Manfred Dempf in den Mittelpunkt seines Stückes 'Keine Ahnung'. Dieses feierte am vergangenen Wochenende im Kolpinghaus seine umjubelte Premiere.

Dempfs Figur heißt Dr. Eugen Hohlmann, ein Berufspolitiker reinsten Wassers, der nie einem 'normalen' Beruf nachgegangen ist und in seinem Ministerium sowie im Kabinett wie in einem 'Wolkenkuckucksheim' sitzt. Zusammen mit der Radioreporterin Marion Laber-Schwall, die in anderen Bereichen ebenfalls ständig zeigt, dass sie keine Ahnung hat, ist er in seinem Wahlkreis unterwegs. Kurz nach Betreten der Dorffiliale einer Bank geraten beide in einen Banküberfall, zu dem aufgrund unvorhersehbarer Probleme im Inneren der Bank noch eine außerplanmäßige Geiselnahme hinzukommt. Axel S. heißt der Bankräuber, ein vom Leben enttäuschter junger Mann, dem man nach mehreren hundert Bewerbungen und zahlreichen Umschulungen noch nie eine Arbeitsstelle angeboten hat. Jetzt muss er mit Hartz IV sein Leben finanzieren und will einfach nur weg. Hohlmann, der in jeder Situation mit sattsam bekannten Politikerfloskeln seinen Senf dazu geben will, tut dies natürlich auch hier. Er reizt Axel damit bis aufs Blut und geht irgendwann auch den anderen Bankkunden gehörig auf die Nerven.

Figuren mit sprechenden Namen

Andreas Gerhardt hat sich als schwadronierender Finanzminister eine Standard-Pose erarbeitet, wie sie auf jeden Politiker passen könnte, ohne konkret auf bestimmte Personen dieses 'Standes' abzuzielen. 'Sprechende' Namen tragen auch die erwähnte Journalistin: Brigitte Müller gibt ihr einen souverän-dümmlichen Charakter.

Der Bankfilialleiter Hans-Peter Kühl wir von Martin Lederle entsprechend gefühllos gespielt. Was Kundennähe heißt, scheint er - wenn überhaupt - nur vom Nachschlagen im Lexikon zu wissen. 'Nomen est omen' gilt auch für die Bankangestellte Sonja Nett, von Sigrid Holuba mal naiv, mal bauernschlau verkörpert. Die Entdeckung des Abends ist Bühnenneuling Martin Schamholz als Axel. Er kostet die emotionalen Höhen und Tiefen der Rolle voll aus und weiß auch in seiner Lebensbeichte durchweg zu überzeugen. Diese Szene ist nach zahlreichen Lachern und bisweilen absurder Situationskomik die erste, in der es im Publikum merklich still wurde.

Die weiteren Bankkunden sind drei ganz 'normale' Menschen mit ebensolchen Namen. Evi Geyer gibt souverän die wohlhabende Frührentnerin Eva Schmidt, für die das Ratschen auf der Bank mindestens genauso wichtig ist, wie das Geldabheben. Den selbständigen - und gemessen an der Journalistin überaus gebildeten - Handwerker Fritz Mayer spielt Max Walter auf bodenständige Art. Bleibt noch die 'praktisch alleinerziehende Mutter' Karin Müller, gespielt von Yvonne Millekat, die kaum noch etwas schocken kann und die mit der vollen Windel ihres kleinen Kindes vor allem die Nerven von Kühl und Hohlmann kräftig strapaziert. Nicht vergessen werden darf Marcus Wölfle, der als Kripo-Beamter Willi Bruß den Fall zu einem bestmöglichen Ende bringen will und dabei auch außerhalb der Bankfiliale für Ordnung zu sorgen versucht.

Joachim Buch

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