Special Wirtschaft im Allgäu SPECIAL

Geschäftsaufgaben
Bammel bei den Bäckern

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«Backe backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen» - und zwar um Hilfe. Statistisch macht jeden Tag in Deutschland eine Bäckerei dicht, Tendenz steigend - so der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.

Auch im Allgäu steht den teils seit Generationen eingesessenen Bäckern der Schweiß auf der Stirn - was nicht nur an den Temperaturen in den Backstuben liegt.

«Es stimmt, auch in unserer Region müssen immer wieder Bäckereien schließen», bestätigt Martin Gschwill, Innungsobermeister der Ostallgäuer Bäcker. Schuld daran sei zum einen die Konkurrenz durch die Discounter. «Das betrifft aber vor allem die Bäcker in der Stadt, da der Kunde beide Angebote vor der Türe hat und eher auf das günstigere der Discounter zurückgreift», sagt Gschwill.

«Nicht gerade ein Modeberuf»

Ein viel gravierenderer Grund sei jedoch ein anderer: «Viele alteingesessene Bäcker müssen ihr Geschäft aufgeben, weil der Nachwuchs fehlt», weiß Gschwill. Dies betreffe besonders die kleineren Bäckereien, meint auch sein Kollege Erwin Weber aus Altusried, Obermeister der Oberallgäuer Bäckerinnung. «Leider ist Bäcker nicht gerade ein Modeberuf», sagt Weber besorgt.

Das liege natürlich an den nächtlichen Arbeitszeiten, die schon gewöhnungsbedürftig seien. Doch die Innungen arbeiten daran, die Jugend wieder zu begeistern. «Vielen ist nicht klar, dass man auch im Handwerk lukrative Aussichten hat», erklärt Weber. Gschwill blickt positiv in die Zukunft. Nach seinem Empfinden sei das Interesse der Jugend schon wieder ein wenig gestiegen.

Der wichtigste Faktor für die Zukunft der kleinen Bäckereien in Stadt und Land seien aber die Kunden. Darüber sind sich die Bäckermeister einig. Hier bestünde noch kein Grund zu Sorge: «Die Kunden sind uns treu und zahlen auch mehr, ohne zu schimpfen», sagt Gschwill. Denn was den Preis betrifft, könne kein selbstständiger Bäcker mit den großen Ketten oder den Discountern konkurrieren.

Dafür setze man auf Qualität: «Wir Innungsbäcker verwenden beispielsweise nur Rohstoffe aus der Region und versuchen, besondere Backwaren zu kreieren, wie etwa den Ostallgäuer Getreidelaib», sagt Gschwill. Das komme sehr gut an.

Im Gegenzug könne sich der Kunde im Allgäu weiterhin darauf verlassen, dass seine Backwaren selbst gemacht sind. «Hier ist die Welt eben noch in Ordnung», sagt Weber und lacht. Der Großteil der Bäcker stehe noch selbst in der Backstube. «Dass sich jemand Teiglinge aus Polen oder Tschechien liefern lässt, ist die Seltenheit».

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