Marktoberdorf
Bahn will Übergang nicht mehr öffnen

Der Bahnübergang an Kilometer 2,543 zwischen Thalhofen und Fechsen soll geschlossen bleiben. Das geht aus dem Planfeststellungsbeschluss hervor, den das Eisenbahn-Bundesamt an die Stadt sandte. Ausgerechnet diesen Übergang wollte die Stadt aber sanieren lassen, damit über ihn die Kieslaster zu den angrenzenden Gruben rollen und somit der Langweg von Schwerlastverkehr befreit wird. Nun will die Verwaltung prüfen, inwieweit eine Klage vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Sinn macht und was diese kostet.

Innerhalb von vier Wochen müsse die Stadt, wenn sie denn wolle, Klage einreichen, erklärte Stadtbaumeister Peter Münsch. «Auf die Belange der Stadt wird mit keinem Wort eingegangen», ärgerte er sich im Bauausschuss über die Bahn AG. Denn die Kommune wollte diesen Übergang wieder herrichten lassen und dafür auf zwei andere verzichten. Für Münsch ist es aufgrund dieser Entwicklung nur eine Frage der Zeit, wann die Bahn die anderen Querungen zwischen Thalhofen und Fechsen schließt. Von sieben Übergängen seien bereits drei zu.

«Die können doch nicht alle schließen», entgegnete Clara Knestel (Grüne) irritiert. Doch sie könne, antwortete Münsch. Falls die Stadt Übergänge erhalten wolle, könne die Bahn sie «zwingen, diese kreuzungsfrei zu bauen». Ein solches Brückenbauwerk sei teuer. Die Kosten dafür müsse die Stadt allein tragen, denn diese Stellen seien keine Unfallschwerpunkte.

«Auf Dringlichkeit verweisen»

«Wir sollten klagen und damit auf die Dringlichkeit verweisen», riet Markus Singer (CSU). Wenn die Stadt in diesem Fall vor Gericht unterliege, habe sie vielleicht bessere Karten, wenn sie stattdessen einen anderen Übergang erhalten will.

Rückblende: Der Bahnübergang ist seit Jahren marode - vor allem wegen des Verkehrs rund um die benachbarten Kiesgruben. 2004 hieß es seitens der Deutschen Bahn AG, eine verkehrs- und betriebssichere Erneuerung koste rund 60000 Euro. Es sei ein neuer Unterbau sowie ein neuer Belag nötig. Zuvor sei eine Planung nötig, deren Kosten komplett die Stadt tragen müsse. An den Sanierungskosten müsse sich die Stadt etwa zur Hälfte beteiligen, vermutete Bürgermeister Werner Himmer damals. Kurzum: Das Projekt wurde mit der Begründung auf Eis gelegt, der Kiesabbau sei in wenigen Jahren passé.

Der Übergang wurde in der Folge geschlossen. Die Laster fahren seitdem durch den Langweg. An dem entstand inzwischen ein Neubaugebiet. Anwohner fürchten aufgrund der Verkehrsbelastung um Leib und Leben ihrer Kinder und machten den Kommunalpolitikern Druck. Deshalb beschlossen die Stadträte vor einem Jahr, den Bahnübergang nach Rücksprache mit der Bahn doch sanieren zu wollen - für rund 100000 Euro. Ferner hatte die Verwaltung vorgeschlagen, stattdessen die Übergänge Schweinberg und Fechsen-Nord zu schließen und entlang der Bahnlinie eine Verbindungsstraße einschließlich Radweg zum Übergang bei Kilometer 2,543 zu bauen. Kosten alles in allem: 385000 Euro.

«Das regt mich auf»

«Das mit dem Bahnübergang regt mich auf», gab Wolfgang Schmid (Freie Wähler) zu. Für 60000 Euro hätte man den Übergang damals haben können. Nun seien die Kosten wesentlich höher. «Vergeigt hat man das hier im Haus», machte er seinem Unmut Luft. Eine Entscheidung über das weitere Vorgehen wurde nicht gefällt. Deshalb will sich die Stadt vorerst nur rechtlich beraten lassen. (af)

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