Memmingen
Autofrei für einen Tag

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40000 Quadratmeter Weinland besitzt Winzer Roland Hornstein am Bodensee. In knapp zwei Wochen beginnt der 47-Jährige mit der Lese seiner roten und weißen Weintrauben, die er in rund 20000 Liter Dornfelder, Bachus und Spätburgunder verwandelt. An diesem Vormittag steht der Mann aus Nonnenhorn mal nicht zwischen seinen Rebstöcken, sondern auf dem Memminger Weinmarkt. Die Werbegemeinschaft «Junge Altstadt» veranstaltet ihr drittes Weinfest, das laut Vorsitzendem Hermann Zelt rund 8000 Besucher in die Innenstadt lockt.

Gäste aus der Slowakei

«Im Gegensatz zu vergangenem Jahr ist das Wetter heuer klasse», freut sich Hornstein, greift nach einer Flasche Müller Thurgau und gießt Franz Freiherr von Castell etwas ins Glas. «Wer mag ihn nicht, den Wein», sagt der und lacht. Von Kastell ist mit seiner Frau und Freunden aus Bratislava (Slowakei) in die Stadt gekommen und macht es sich auf einer der vielen Bierbänke gemütlich. Dass der Weinmarkt an diesem Tag autofrei ist, freut ihn: «Weil dann mehr Ruhe herrscht.» Manchmal beobachte er ein richtiges Verkehrschaos: «Wenn von beiden Seiten Busse kommen, die anhalten müssen, ist sofort alles verstopft und die Autos stehen bis hoch an den Schweizerberg.»

Unterschiedliche Meinungen

Seine Frau Ulrike nickt zustimmend: «Man sollte den Bereich immer verkehrsfrei halten, nicht nur an besonderen Festtagen.» Es gebe genug zentrumsnahe Parkhäuser. «Wenn man da das Auto abstellt, muss man nur zweimal umfallen und ist in fast allen Geschäften.» Michael Lehmann, der mit seinem Freund Winfried Reger im Schatten einer Imbissbude steht, hat eine andere Meinung: «Der ganze Bereich würde ohne Verkehr völlig aussterben», sagt er und zeigt auf die umliegenden Geschäfte und Gastronomien. «Autos gehören einfach dazu. Die bringen Bewegung und Abwechslung. Und Kurzzeitparkplätze werden gebraucht.»

Winfried Reger nickt: «Man fährt über den Weinmarkt, sieht jemanden im Café sitzen, parkt und trinkt einen Cappuccino. Das gäbe es sonst so nicht.» Allerdings bemängelt er die Verkehrssituation an der Stelle, wo Weinmarkt und Fußgängerzone zusammentreffen: «Hier sollte eine Ampel her. Meistens wissen die Autofahrer und Fußgänger nicht, wer Vorfahrt hat.»

«Freundliche Leute»

An Sabine und Michael Götz geht die Verkehrsdiskussion vorbei. Die beiden sind von der Ostseeküste nach Memmingen gekommen und haben zufällig vom Weinfest erfahren: «Toll hier. Viel los und die Leute sind freundlich und aufgeschlossen.» Auch die Stadt sei einen Besuch wert. «Das Flair und die Architektur sind ganz anders als bei uns. Und das Klima ist nicht so rau.

» Dass es aber auch in südlicheren Breiten sehr unbeständig sein kann, musste Winzer Hornstein in diesem Sommer erfahren. Ein Teil seiner Weintrauben ist durch den vielen Regen verfault. «Ich hoffe, dass der Ausfall nicht zu groß ist. Denn ich will ja auch im nächsten Jahr wieder hierher kommen.»

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