Sonthofen / Oberallgäu
Autofahrer ohne Führerschein tarnt sich als Slowene

Als die Polizei den Wagen mit slowenischem Kennzeichen in Wertach stoppte, hatte der Pkw-Lenker zwar seine Papiere nicht dabei. Den Beamten aber gab der englisch sprechende vermeintliche Staatsbürger von Slowenien zunächst einen Namen an, der im Balkanland gang und gäbe ist. Auch die mitgeteilte Adresse in Maribor schien auf den ersten Blick glaubhaft zu sein. Erst auf dem Polizeirevier, als die Widersprüche offen zutage traten und sich die Fingerabdrücke des Pkw-Lenkers sogar im Polizei-Computer wiederfanden, flog der Schwindel auf.

Jetzt musste sich der 32-jährige Deutscher vor dem Amtsgericht Sonthofen wegen Urkundenfälschung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und wegen eines Verstoßes gegen die Versicherungspflicht verantworten. Die Staatsanwältin hätte den Mann am liebsten acht Monate hinter Gitter geschickt. Richter Andy Kögl beließ es bei einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe. Die Fahrlizenz ist für drei Jahre gesperrt. Die Anklagevertreterin war auch deshalb so erzürnt, weil der Mann selbst vor Gericht noch eine Geschichte auftischte, die unglaubwürdig klang. Die Staatsanwältin warf zudem das Vorstrafenregister des Mannes in die Waagschale. Er hatte sich nicht das erste Mal ohne Führerschein hinters Steuer eines Fahrzeugs geklemmt und war zudem wegen Amtsanmaßung vor den Kadi zitiert worden.

Der sogenannte Führerschein-Tourismus beschäftigt immer wieder die Gerichte. Deutschen Möchtegern-Autofahrern, denen die Polizei beispielsweise wegen Trunkenheit am Steuer die Fahrerlaubnis abgenommen hat, versuchen über den Umweg Osteuropa, wieder an einen Führerschein heranzukommen. So auch der jetzige Angeklagte in Sonthofen, der sich übers Internet die ehemalige Teilrepublik Jugoslawiens als seriöse Führerschein-Behörde ausgesucht hatte. Zwar wurde er dort von einem Vermittler erst einmal um 2500 Euro erleichtert. Aber ein gültiges Papier, eine Versicherung und echte Kennzeichen hatte er am Ende der Prozedur nicht. So flog er während einer Allgäu-Urlaubsfahrt im extra neu angeschafften Pkw auf.

Über den Tisch gezogen

Dem Richter und der Staatsanwältin versuchte er klarzumachen, dass er wohl von einem Betrüger in Slowenien über den Tisch gezogen worden sei. Aber als er nach Details und Belegen, Adressen und Telefonnummern befragt wurde, konnte er nichts vorweisen, keinen Schriftwechsel und nicht einmal Kopien. Selbst einen angeblich erhaltenen «vorläufigen Führerschein» habe er wegen eines vermeintlichen Fehlers wieder nach Slowenien zurückgeschickt, damit das Papier dort überarbeitet werde.

Als besonders dreist bewertete es die Staatsanwältin jedoch, dass der Mann mit seinem Englisch die Polizisten zum Narren halten wollte. Sogar die Freundin des Angeklagten machte dieses Spielchen mit. Auch der angegebene slowenische Name und die Adresse in der slowenischen Stadt stimmten nicht. Die Bewährung auf drei Jahre war laut Urteilsbegründung von Andy Kögl nur möglich, weil bisher lediglich Geldstrafen gegen den Angeklagten verhängt worden waren.

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