Strafzettel
Autofahrer kritisiert Parksituation beim Memminger Bahnhof

Wenn es irgendwie geht, fährt der 96-jährige Ludwig Piller mit dem Fahrrad in die Stadt. «Weil man oft schlecht einen Parkplatz kriegt», sagt er. Jetzt im Winter setzt er sich aber doch lieber ins Auto, wenn er etwas zu erledigen hat. Oder wenn er, wie kürzlich, zum Bahnhof muss, weil er mit dem Zug nach München fahren will. An diesem Tag hat er sich gleich zusammen mit dem Bayernticket am Schalter einen Parkschein gekauft, der ihn berechtigt hätte, seinen Wagen für vier Euro den ganzen Tag auf einem der bahneigenen Parkplätze hinter dem ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof) abzustellen. «Hätte», weil es nicht dazu kam: Alle zwölf extra ausgewiesenen Stellplätze auf dem ansonsten städtischen Parkgelände gegenüber dem ehemaligen Rex-Kino waren belegt.

Weil der Weg zurück zum Schalter weit und der Zug schon bald da war, stellte sich Piller - im guten Glauben, in Besitz eines gültigen Parkscheins zu sein - auf einen Platz außerhalb des blau markierten «Bahn Parks». Nicht ohne Folgen. Als er aus München zurückkam, fand er ein Knöllchen über 25 Euro unterm Scheibenwischer, weil er sein Auto «über drei Stunden» ohne gültiges Ticket abgestellt hatte.

«Mir war aber gar nicht bewusst, dass ich ein Falschparker bin», fühlt sich Piller ungerecht behandelt. Beim Blick auf die Tickets in den Wagen auf den Bahn-Stellplätzen stellte er übrigens fest, dass dort wiederum zwei Parker, die in den städtischen Bereich gehört hätten, Strafzettel von der Bahn bekommen hatten.

In den nächsten Tagen pendelte der äußerst rüstige Senior zwischen Bahnhof und dem städtischen Straßenverkehrsamt in Amendingen hin und her. Hier wie dort argumentierte und diskutierte Piller mit Mitarbeitern, die sich zunächst nur auf ihre jeweiligen Parkbedingungen beriefen. Immerhin erreichte er dann aber, dass die Bahn ihm seine vier Euro zurückzahlte und die Stadt den Strafzettel erst um fünf und dann noch einmal um zehn Euro reduzierte. Die verbliebenen zehn Euro hat Piller jetzt zwar bezahlt, dennoch wurmt ihn der Fall noch immer: «Mir geht es aber nicht ums Geld», betont er. «Nur weil die Stadt und die Bahn gegenseitig die Parkscheine nicht anerkennen, ist der Bürger der Dumme», beklagt er sich.

Das sieht Walter Plail, Leiter des städtischen Straßenverkehrsamtes, nicht so. Der gesamte Platz gehöre zwar seit vielen Jahren der Stadt, die Bahn habe als ehemalige Eigentümerin aber noch ein Anrecht auf einen Teil davon, nämlich auf zwölf Parkbuchten, die eigens gekennzeichnet und für Reisende gedacht seien. Bewirtschaftet würden diese von der Firma Contipark. Eine Zusammenarbeit gebe es nicht, jeder Betreiber überwache seinen Teil mit eigenen Mitarbeitern. «Es steht ausdrücklich dran, wer wo parken darf», sagt Plail. Ob die Bahn zum Beispiel eine Strichliste führe, welche Plätze jeweils belegt seien, wisse er nicht.

«Tageskontingent ist nicht überbuchbar»

Ein Bahnsprecher meinte dazu, die so genannten «Park&Rail»-Karten würden über ein Tageskontingent, das nicht überbuchbar sei, nur an Bahnreisende verkauft. Dieses Tageskontingent sei für Memmingen im vergangenen Jahr durchschnittlich nicht einmal zur Hälfte ausgenutzt worden. (bhb)

 

Ludwig Piller

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen