Verfolgungsjagd
Ausgebüxte Kuh in Kemptener Innenstadt: Zum Einfangen brauchten Landwirte und Polizei mehrere Stunden

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Eine regelrechte Verfolgungsjagd hat sich am Donnerstagmorgen in der Kemptener Innenstadt abgespielt: Die dreijährige Kuhdame 'Cindy' war bei der Rinderauktion an der Allgäuhalle plötzlich entwischt. Mit Polizei, Blaulicht und einigen Landwirten im Schlepptau lief die Jungkuh am Forum Allgäu vorbei die Bahnhofsstraße hoch, bog in die Haubenschloßstraße ab und verzog sich dann in den Garten der heilpädagogischen Tagesstätte St. Georg in der Immenstädter Straße.

Dort saß Cindy erst einmal in der Falle. Die zu Hilfe gerufenen Tierärzte wollten die Kuh per Blasrohr und Betäubungspfeilen ruhig stellen. Doch Cindy zeigte sich äußerst standhaft. Sechs Pfeile mit insgesamt zwölf Dosen Beruhigungsmittel zeigten nicht die erwünschte Wirkung. "Das Tier ist aufgeputscht durch Adrenalin", sagte Tierärztin Dr. Michaela Rosenboom, die die Pfeile verschoss.

Dabei kam ein besonderes Problem zu Tage: In Kempten gibt es nämlich nach Aussagen der Polizei kein einziges Betäubungsgewehr für einen solchen Fall. Und mit dem Blasrohr konnten lediglich Pfeile mit begrenzter Menge Betäubungsmittel verschossen werden. Sonst wären die Pfeile zu schwer geworden.

Erneut Reißaus

Alle warteten also vergebens darauf, dass die Betäubung anschlägt. Dann entschieden sich Landwirte, Tierärzte und Polizei für Plan B: Anlocken mit Hilfe einer anderen "Lock-Kuh", auf dass sich Cindy wegen der Gesellschaft beruhigen würde. Zunächst schien das auch zu funktionieren. Cindy wurde ruhiger. Doch dann entschloss sie sich, wieder Reißaus zu nehmen. Die erneute Flucht war jedoch nur eine kurze: Letztlich wurde das Rind in der Haubenschloßstraße in eine offen stehende Garage gedrängt.

Diese Möglichkeit nutzten Landwirte und Polizisten sogleich: Kuh drin - Klappe zu. Der Ausreißversuch von Cindy ging relativ glimpflich aus: Ein Landwirt und ein Polizeibeamter wurden leicht verletzt. Es gab keine Unfälle mit Autos, keinen Sachschaden.

Gegen 12.30 Uhr hatte der Spuk dann endgültig ein Ende: Cindy ließ sich erschöpft, aber gesund, in den herbeigeschafften Anhänger treiben. Und entkam somit sogar dem Schlachter. Denn der Besitzer von Cindy sagte doch sichtbar erleichtert: "Die kommt jetzt erst mal wieder heim in den Stall - und wird nicht verkauft."

Die Kinder der Tagesstätte St. Georg bekamen vom Spektakel in ihrem Garten übrigens gar nicht so viel mit. Die Polizei hatte zur Sicherheit die Fensterrollladen schließen lassen. Die Kinder sahen also fast nichts. "Zuerst galt die Sorge der Rutsche und dem Sandkasten auf dem Spielplatz", sagt Erzieherin Heidi Boos. "Doch am Schluss bemitleideten die Kinder die arme Kuh, die bestimmt total durcheinander war."

Nicht der erste spektakuläre Fall

Der Fall Cindy ist nicht der erste spektakuläre Ausbruchsversuch der jüngsten Vergangenheit. So waren kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres in Waltenhofen (Oberallgäu) ein Stier und ein Ochse vor der Schlachtbank geflüchtet. Die beiden Tiere wurden auf der Flucht von der Polizei erschossen. Und im März dieses Jahres hatte sich ein Stier bei einer Auktion an der Allgäuhalle aus dem Staub gemacht. Der 14 Monate alte Bulle war zum Forum Allgäu gerannt und hatte eine Schaufensterscheibe eingerannt (Schaden: etwa 1500 Euro). Das Tier wurde beruhigt und wieder eingefangen.

Autor:

Matthias Becker aus Kempten

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