Engagement
Aus Thema für ein Referat wurde eine echte Herzensangelegenheit

Es waren die Bilder, die sonst kaum jemand zu Gesicht bekommt. Die Bilder, die zu grausam sind, als dass man sie auf Großleinwände werfen oder im Internet veröffentlichen könnte. Der Abenteurer und Menschenrechtsaktivist Rüdiger Nehberg hat einen ganzen Ordner davon: Bilder von Mädchen und jungen Frauen, deren Genitalien verstümmelt wurden. Bei einem Vortrag über seinen Verein «Target» zeigte Rüdiger Nehberg die Bilder Tobias Böck. Da war dem 20-jährigen Schüler klar: «Jetzt müssen wir etwas tun.» Mit seinen Mitschülern David Welz, Tugba Dikmen, Christina Bader und Jovanna Djukelic will sich der 20-Jährige im Kampf gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen einsetzen. Dafür organisieren die jungen Leute ein Benefizkonzert im Künstlercafé und einen Spendenstand in der Fußgängerzone.

Angefangen hat alles mit einem Referat im Englischunterricht an der Fachoberschule. Mit drei Klassenkameraden sollte Tobi Böck über eine Hilfsorganisation sprechen, die in der Dritten Welt tätig ist. Die Wahl fiel auf Nehbergs Verein «Target». Als eine Woche vor dem Referats-Termin Nehberg einen Vortrag in Kempten hielt, war für Tobi und seine Mitschüler schnell klar, dass sie sich über die schulische Arbeit hinaus engagieren wollen.

Warum? «Weil es einfach krass ist, dass es erlaubt ist, anderen Menschen so weh zu tun», meint Tobi. Das müsse ein Ende haben und der Verein «Target», sagt der 20-Jährige, leiste dazu einen Beitrag. So arbeite der Verein mit islamischen Religionsführern zusammen. Sie sollen die Stämme, die die Genitalverstümmelung anwenden, davon überzeugen, dass das Ritual ein Verbrechen ist und eben nicht im Koran vorgeschrieben wird.

Dazu verteilt «Target» das «Goldene Buch» an Imame, die daraus predigen.

Bereits in Klassen gesammelt

«Diese Bücher zu drucken, kostet Geld», weiß Tobi Böck. Und genau dafür wollen er und seine Mitschüler sammeln. In einer Klassensprecher-Konferenz stellten sie ihr Anliegen vor, in der Hälfte der Klassen wurde bereits gesammelt. Doch die Schüler wollen noch viel mehr für die gute Sache. So gibt Julie Thomas, eine Freundin von Tobi, morgen, Donnerstag, ab 20 Uhr im Künstlercafé ein Konzert mit ihrer Gitarre. Und am kommenden Samstag, 18. Dezember, verkaufen die Schüler ab 9.30 Uhr an einem Stand gegenüber dem ehemaligen Quelle-Haus in der Fußgängerzone Glühwein, Punsch, Waffeln und Würstchen. Natürlich gibt es dort auch Infos über die Genitalverstümmelung.

Der 20-Jährige hat einen bestimmten Betrag im Kopf. Wie viel das ist, will er noch nicht verraten. Nur, dass es mit Benefizkonzert und Verkaufsstand noch nicht getan sein wird: «Wir möchten auch die anderen großen Schulen mit ins Boot holen», sagt Tobi. Damit der Kampf, den Rüdiger Nehberg vor rund zehn Jahren aufgenommen hat, ein gutes Ende findet. Und ein grausames Ritual abgeschafft wird. (bec)

 

Tobi Böck kämpft mit dem Verein «Target» des Menschenrechtsaktivisten Rüdiger Nehberg gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen und sammelt Spenden. Foto: Ralf Lienert

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