Aus Finanznot in die Firmenkasse gegriffen

Kaufbeuren (bbm). 'Ich war da wie weggetreten.' So beschrieb ein ehemaliger Mitarbeiter (36) eines Ostallgäuer Autohauses vor dem Kaufbeurer Amtsgericht die Gemütsverfassung, in der er im vergangenen Jahr wiederholt in die Firmenkasse gegriffen hatte. Der stark verschuldete Familienvater überwies Einnahmen von insgesamt rund 26 000 Euro nicht an den auswärtigen Firmenhauptsitz, sondern beglich damit private Verbindlichkeiten. Nach Bekanntwerden der Taten wurde ihm gekündigt. Das Strafverfahren wegen Unterschlagung in sieben Fällen endete jetzt mit der Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten.

Dem Angeklagten wurde zur Auflage gemacht, eine mit seinem ehemaligen Arbeitgeber getroffene Ratenvereinbarung zur Wiedergutmachung des Schadens einzuhalten und dem Gericht regelmäßig Nachweise zu liefern. Der 36-Jährige akzeptierte das Urteil. Nachdem auch der Staatsanwalt auf Rechtsmittel verzichtete, ist die Entscheidung rechtskräftig. Die Gelder, die der Angeklagte im Zeitraum zwischen April und November 2006 beiseite geschafft hatte, stammten aus dem Verkauf verschiedener Fahrzeuge und wurden von ihm entweder gleich einbehalten oder aus dem Firmensafe entnommen. Nachdem er der Autohauszentrale in allen Fällen die Kaufverträge zugeschickt habe, hätte dem Mann nach Einschätzung des Staatsanwalts eigentlich klar sein müssen, 'dass das über kurz oder lang auffliegt'.

Warum er damals so gehandelt hatte, war dem Angeklagten jetzt selbst ein Rätsel: Eigentlich sei sein damaliger Arbeitsplatz 'das Beste gewesen, was mir hat passieren können'. Er habe sich in der Filiale, in der es außer ihm nur noch einen weiteren Mitarbeiter gab, 'voll einbringen und entfalten' können. In seinem Schlusswort betonte der 36-Jährige, das Ganze tue ihm 'furchtbar leid'. Er verwies darauf, dass er durch seine Taten nicht nur seine Arbeit verloren habe, sondern zeitweise auch seine Familie. Mittlerweile habe er sein Leben geordnet, neue Arbeit gefunden und professionelle Hilfe bei der Regulierung seiner Schulden in Anspruch genommen. Vor kurzem seien seine Frau und seine Kinder wieder zu ihm zurückgekehrt.

Die Richterin stellte die Einsicht und Reue des Angeklagten im Urteil ebenso in Rechnung wie das 'relativ naive Vorgehen' und das Bemühen um eine Wiedergutmachung des Schadens. Negativ zu Buche schlugen allerdings die Vielzahl der Fälle und die Tatsache, 'dass der Angeklagte das Vertrauen seines Arbeitgebers missbraucht hat, um private Schulden zu begleichen'. Staatsanwalt und Richterin machten deutlich, dass bei Freiheitsstrafen von über einem Jahr eine Strafaussetzung zur Bewährung keine Selbstverständlichkeit ist. Nachdem es sich beim Angeklagten aber um einen geständigen Ersttäter mit positiver Sozialprognose handle, könne man ihm diese Chance geben.

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