Buchloe
«Aus der schlechten Zeit Profit mitnehmen»

Niedrige Milchpreise bei gleichzeitigen hohen Betriebskosten zwingen derzeit viele Landwirte an die Grenze ihrer finanziellen Möglichkeiten. Mitten in dieser Krise baut Johannes Horn aus Buchloe, der den Familienbetrieb gemeinsam mit Bruder Robert (32) und seinen Eltern Johann (59) und Walli (55) betreibt, am östlichen Ortsrands Buchloes einen neuen, knapp 1900 Quadratmeter großen Laufstall. Dort sollen später 140 Milchkühe Platz finden. Die BZ hat sich mit dem 25-Jährigen über den in diesen Zeiten wohl eher ungewöhnlichen Schritt und seine Meinung zur Milchkrise unterhalten.

Haben Sie und ihre Familie immer schon auf die Milchviehhaltung gesetzt?

Horn: Im Prinzip schon. Vor zehn Jahren haben wir jedoch ausgesiedelt und nach und nach expandiert. Seit ich die Technikerschule abgeschlossen habe, konzentriere ich mich voll und ganz auf das Milchvieh. Derzeit halten wir 100 Milchkühe und 100 Stück Jungvieh. Mein Bruder kümmert sich um die Feldarbeit und bietet Dienstleistungen für andere Landwirte an. Unsere Eltern unterstützen uns in allen Bereichen tatkräftig.

Landauf, landab wird der Milchpreisverfall kritisiert. Die Landwirte behaupten, vom Milchpreis nicht mehr leben zu können. Wie verhält sich das bei Ihnen?

Horn: Würde ich als Landwirt so verantwortungslos mit meinem Betrieb umgehen, wie viele Manager in großen Konzernen es tun, müsste ich die Frage mit einem deutlichen Nein beantworten. 2007 war der Milchpreis allerdings so hoch wie selten zuvor. Als verantwortungsvoller Unternehmer bildet man in diesen Zeiten Rücklagen, die einen auch mal über schlechte Zeiten hinweg retten. Richtig eng wird es derzeit allerdings vor allem für die Betriebe, die in dieser Hochphase investiert haben und jetzt auf teuren Darlehen sitzen.

Warum bauen sie dann gerade jetzt einen neuen Milchvieh-Laufstall?

Horn: Das hat mehrere Gründe. Landwirtschaftliche Betriebe sind heute Unternehmen, in denen man sich als Landwirt ständig fragen muss: Wo stehe ich mit meiner Produktivität? Und da erhoffe ich mir durch die Expansion gekoppelt mit dem Einsatz von Melkrobotern eine Verbesserung. Ein weiterer Grund ist, dass die Stallbaukosten im Vergleich zu 2007 um rund 15 Prozent gesunken sind. Gleichzeitig sind die Zinsen derzeit sehr günstig und der Preis für die Milchquote, die wir als größerer Betrieb zukaufen müssen, ist gefallen. Der Bau ist eine Investition auf 20 Jahre. Und wenn der Milchpreis wieder besser wird, hoffe ich, dass wir aus der schlechten Zeit so doch einen Profit mitnehmen können.

Sollte der Milchpreis jedoch weiter so niedrig bleiben, könnte es auch sein, dass Sie mit diesem Plan eine Bruchlandung erleiden?

Horn: Richtig. Allerdings sind jetzt schon Tendenzen da, dass es wieder geringfügig besser wird.

Viele deutsche Landwirte appellieren in dieser Zeit an die Politik. Was versprechen Sie sich von den Leuten in München und Berlin?

Horn: Auf Hilfe von Seiten der Politik mache ich mir keine große Hoffnungen. Die versucht in Zeiten der Weltwirtschaftskrise alles, um Nahrungsmittel günstig zu halten. Zudem bringen nationale Alleingänge in Deutschland wenig, da das Ganze ein EU-Problem ist.

Die Agrar-Kommisssarin Mariann Fischer Boel hat zum Beispiel 2007 schon gesagt, dass sie alles dafür tun will, damit die Verbraucher in der EU angemessen niedrige Nahrungsmittelpreise haben. Trotz Überproduktion wird von Seiten der EU die Milchquote regelmäßig munter weiter erhöht. Dass dadurch der Milchpreis immer weiter fällt, ist die logische Konsequenz.

Wie also müssten die politischen Rahmenbedingungen konkret geändert werden, um den Landwirten wieder bessere Produktionsbedingungen zu bieten?

Horn: Die Globalisierung macht auch vor der Landwirtschaft keinen Halt. Heute müssen wir mit Betrieben in anderen Staaten konkurrieren. Neben einem Abgehen von dieser Politik wäre es daher vor allem wichtig, dass wir in der EU einheitliche Produktionsbedingungen haben.

Ein Beispiel: Im Jahr 2008 lag der Preis für Agrardiesel in Deutschland bei 1,30 Euro pro Liter, in Frankreich bei 65 Cent. Bei einem Betrieb unserer Größe sind das 20000 Euro an Mehrausgaben, wie sie ein französischer Bauer hat.

Würden sie davon profitieren, wenn Verbraucher ihre Milch direkt bei Ihnen kaufen würden?

Horn: Nein, weil nur ein kleiner Prozentsatz der Produktion Frischmilch bleibt. Das meiste wird zu Milchprodukten verarbeitet. Am meisten würden uns die Verbraucher helfen, wenn sie möglichst viele Milchprodukte essen und auf billige Ersatzprodukte wie Analogkäse verzichten.

Wo glauben Sie, steht Ihr Betrieb in fünf Jahren?

Horn: Wenn die Lage so bleibt, wie sie derzeit ist, werden wir mit einem Stundenlohn von rund zwei Euro an der Liquiditätsgrenze leben. Wenn es sich so entwickelt, wie ich es mir vorstelle, wird die Arbeit wieder angemessen entlohnt werden und Spaß machen.

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