Marktoberdorf
Aus der Mitte von Oberdorf

Auf eine Reise durch die Galaxien Marktoberdorfs begab sich das Raumschiff «Modeon» mit den Oberdorfer Fasnachtern. Das voll besetzte Space-Shuttle streifte dabei die Satelliten Sulzschneid, Geisenried, Rieder und die bayerische Staatsregierung, dockte mit Maxi Kinker und Manuel Mayerle an der befreundeten Enterprise an, machte mit den Rotweinspatzen und Weißweinlerchen Halt auf der Alm ebenso wie auf Capri mit seiner im Meer versinkenden Sonne, um dann wieder mitten in den Jubiläumsfeierlichkeiten «25 Jahre Modeon» zu landen. Mit an Bord war jede Menge Prominenz und ein riesiges Paket an Themen, aus dem die Fasnachter ihre Ideen schöpften.

So manch schwarzes Loch machte die Sprecherin Dr. Sabine Sprich aus. Ihr Blick schweifte zurück auf das Superwahljahr, im Vorgriff empfahl sie der CSU, die Abwrackprämie in Anspruch zu nehmen und sie rief zu weiteren Bewerbungen um die Rossmanith-Nachfolge auf.

«Hasch du Fragen, kommsch du zu mich», zeigte die türkische Putzfrau Fatma (Vanessa Puttner) ein Herz für Magoberdorf, der Stadt, in der sich alles im Kreis dreht und die deshalb auch Kreisstadt heißt - obwohl ihr der Kreißsaal abhanden kam. Dagegen und gegen weitere Entwicklungen im Marktoberdorfer Krankenhaus stemmten sich die Akteure mit der ganzen Macht der Fasnacht und zogen auf der Bühne noch einmal eine zornige Demonstration «Mitten in Marktoberdorf» auf.

Dort, am Bahnhof und im Cafe Greinwald, trafen sich die Altfasnachter und rätselten, ob sie jetzt im Hotel Sepp was zum Essen kriegen könnten oder nicht. Ob Bulldoghotel oder Fernwärme, Lenkungsgruppe, die wegweisende Ausstellung im Künstlerhaus, die inflationären Ü- und U-30-Partys oder das vernebelte Hallenbad - ihrem aufmerksamen Blick entging nichts und das krönten sie mit einem umwerfenden Fasnachtslied - eine Hommage an den Käs.

Oberdorfer Freiheit

Ja, was «hond se sonscht scho groß in Marktoberdorf», fragten sich da die Sulzschneider Walter Sirch und Claudia Fumian in ihrem «Heimatspiegel» und plädierten dafür, den Maibaum auf den Kochlöffelkreisel zu stellen, damit alle Attraktionen der Kreisstadt beieinander liegen: Maibaum, Römerbad und Pestfriedhof.

Um solchen Vorwürfen, dass in Marktoberdorf sowieso nichts los ist, künftig nicht mehr ausgesetzt zu sein, hatte sich das Duo Reinhold Glas und Tobias Guggemos ein besonderes Schmankerl zur Belebung der Innenstadt einfallen lassen. Als «Leichte Mädchen» eröffneten sie die Oberdorfer Freiheit Nr. 7 und hatten als lebende Schaufensterpuppen Gelegenheit, über den Ort zu sinnieren.

Bei all den Widrigkeiten, mit denen er zu kämpfen hat - «wie soll er aus dem Dorf nur eine Stadt machen» -, sandten die Fasnachter dem Oberdorfer Bürgermeister mit «Tutti Putti» himmlische Unterstützung. «Drei Engel für Charly» Himmer - hee du hee für immer.

Immerhin: Einen Pluspunkt machten Sonja und Daniela Reischl mit ihrem Bühnenpartner Christian Stegmüller für Marktoberdorf aus: Sie ist mit sage und schreiben 13 Friseuren die bestfrisierte Kleinstadt weit und breit - auch wenn manche Zeitgenossen diesen weltstädtischen Vorteil noch nicht erkannt haben.

Die Kneischter zum Beispiel - die gleich zu Beginn zum Jammern und Fuadern anhoben. Die Finanzkrise vermieste ihnen die Laune zum Feiern. Aber sie verloren den Wettstreit, in den sie mit den lustigen Fasnachtern eintraten. Und so war der Weg für die Leichtigkeit des Seins auch bei diesem Fasnachtsabend freigegeben, der fulminante Dynamik an den Tag legte.

Garniert war er mit buntem Konfetti, das mit den jungen Gruppen «New Generation», «Firebirds», «La Vita» und «Teeny Turner» fast schwerelos über die Bühne tanzte und turnte und - wie die exotischen Maultrommler um Max Kinker - in unendliche Weiten abdriftete. Getragen wurde all dies von den perfekten Arrangements der «Voice», die seit rund 30 Jahren dafür stehen, dass Live auch Live bleibt - auch wenn das Paul-Potts-Double Andreas Henser dem Original zum Verwechseln ähnlich war. Seite 24

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