Special Allgäuer Festwoche SPECIAL

Aus der Idee Kemptener Kunst und Können (1948) wird die Allgäuer Festwoche 1949

Gut drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges herrschte an allem Mangel, nur nicht an Menschen. Durch den 'Zuzug' der Heimatvertriebenen hatte die Bevölkerung stark zugenommen. Wohnraum blieb noch auf Jahre hinaus ein äußerst knappes Gut. Der Allgäuer Maschinenbau-, Textil- und Milchindustrie waren die vor dem Krieg bestehenden Exportmärkte weggebrochen. Die Hoffnungen auf eine Wiederbelebung des Geschäftes hatten sich noch nicht erfüllt. In dieser Situation sah das Kemptener Stadtoberhaupt die Notwendigkeit, Impulse zu setzen. Der erste Organisationsleiter der Allgäuer Festwoche, Hans Mayr formulierte es in seinem Abschlussbericht so: 'In dem Bestreben, das wirtschaftliche Leben der Stadt Kempten wieder besser in Gang zu bringen und Kempten aus der Reserve, in der es sich im Gegensatz zu anderen Städten seit mehreren Jahren befand, wieder etwas in den Vordergrund zu rücken, regte Oberbürgermeister Dr. Volkhardt im Herbst 1948 die Durchführung einer Ausstellung in Kempten an.'

Diese Anregung legte Volkhardt in einer Aktennotiz vom 18. November 1948 nieder: 'Es ist geplant, im Sommer 1949 unter dem Motto ‚Kemptener Kunst und Können‘ eine 14tägige Gewerbeschau, verbunden mit Kunstwochen zu veranstalten. Die Gewerbeschau soll einen Überblick über den Stand des wirtschaftlichen Lebens der Stadt Kempten und Umgebung geben. Ferner ist gleichzeitig vorgesehen, eine Kunstausstellung zu veranstalten. Dabei soll insbes. auch in einer eigenen Abteilung die Flüchtlingsindustrie und das Flüchtlingsgewerbe berücksichtigt werden. U. a. soll auch eine Modeschau durchgeführt werden. Es wäre erwünscht, wenn zu gleicher Zeit größere sportliche Veranstaltungen stattfinden würden, z. B. ein Autorennen, ein Pferderennen und turnerische Veranstaltungen; außerdem ist an bedeutende Theater- und Konzertaufführungen gedacht.'

Heute würde man von einem ganzheitlichen Ansatz sprechen, der sich als genial erweisen sollte, der das Fundament für eine 60 Jahre währende Erfolgsgeschichte bildet. Der von Volkhardt vorgegebene Rahmen passt auch nach 60 Jahren noch. Er scheint zeitlos zu sein. Die Inhalte waren und sind dagegen immer zeitgemäß (gewesen).

Ausstellung, Messe oder Volksfest?

In der ersten Besprechung zu der geplanten Veranstaltung im Dezember 1948 empfahl der Verleger der Heimatzeitung 'Der Allgäuer', Dr. Rathgeb, über die Stadtgrenzen hinaus zu denken. Man solle eine Allgäuer statt einer Kemptener Messe veranstalten. Der OB griff das auf und sprach nun von 'Allgäuer Kunst und Können'. Redakteur Jörg Landes schlug 'Allgäuer Messe' mit dem Untertitel Kunst und Können vor. In der Folge wurden noch viele Namen diskutiert. Das hing auch damit zusammen, dass sich der Hauptausschuss (der neben sieben weiteren an der Vorbereitung arbeitete) erst in mehreren Sitzungen über den Grundansatz austauschte. 'Es fand eine lebhafte Aussprache statt, ob die Veranstaltung den Charakter eines Volksfestes, einer Ausstellung oder Messe bekommen soll. Es bestand Einmütigkeit darüber, dass es eine Fest- und Ausstellungswoche werden soll.'

Der Diskussionsbeitrag von Bürgermeister Albert Wehr, der das Amt des Festwochenleiters fast 30 Jahre lang bekleiden sollte, lautete 'Allgäuer Fest- und Ausstellungswoche(n)' mit einer Dauer von acht bis 14 Tagen.

Endgültiger Beschluss

Am 4. März 1949 fiel dann der endgültige Beschluss: 'Allgäuer Festwoche – Wirtschaftsmesse, Kunstausstellung und Landwirtschaftsschau in Kempten vom 20. mit 28. August 1949'.

Um mit den Vorbereitungen richtig loslegen zu können, benötigte die Stadt dringend Geld. Die Stadt- und Kreissparkasse Kempten gewährte 150.000 DM. Es lohnte sich für beide Seiten. Kurzzeitig schien dann die erste Allgäuer Festwoche gefährdet: Maul- und Klauenseuche. Doch der 'Seuchenkommissar für den Regierungsbezirk Schwaben' gab Entwarnung. 'Auch das Oktoberfest in München soll abgehalten werden.'

Organisationsleiter der Festwoche wurde Inspektor Hans Mayr, technischer und künstlerischer Leiter Stadtrat Dipl.-Ing. Architekt Sepp Zwerch. In einem beschränkten Wettbewerb unter drei Kemptener Künstlern wurden Entwürfe für das Werbeplakat gefertigt. Der Presse- und Propaganda-Ausschuss wählte den Entwurf von Kunstmaler Franz Weiß aus. Weiß sollte das Erscheinungsbild der Festwoche noch lange prägen.

Der Verkehrs- und Quartiersausschuss machte sich Sorgen. 600 Besucher des ersten Bayerischen Gärtnertages nach dem Krieg wurden erwartet, in den Hotels und Gasthöfen in Kempten waren aber nur 400 Betten verfügbar. Immer diese Knappheit, auch die Treibstofflage war angespannt. 'Das Straßenverkehrsamt hat einen Antrag der Stadt auf Zuteilung von Sonderkontingenten unter wärmster Befürwortung an das Landwirtschaftsamt weitergeleitet.' Die amerikanische Militärregierung erteilte die Genehmigung zum Brauen des Festbieres. Sie hat sich damit Verdienste um das Gelingen der ersten Allgäuer Festwoche 1949 erworben.

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