Wiggensbach
Aus dem Herrgottswinkel verduften böse Geister

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Kräuterwandern hat besondere Reize: Die Beinmuskeln werden trainiert, die Zehen gehen zwischen Gras und Steinen spazieren. Nebenbei suchen bei dieser leichten Tour mit Natur- und Landschaftsführerin Traudi Winklmann die Augen und Hände nach Blütenpflanzen für den Kräuterboschen. Ein Erlebnis, bei dem die Teilnehmer so manchem raren Kräutlein auf die Spur kamen.

Es ist früher Nachmittag an der Sonnenhalde bei Wiggensbach. Still ist es auf den Hangwegen zum neu angelegten Biotop mit seinen vielfältigen Kräutern, die schon von weitem an ihrem würzigsüßen Duft zu «erschnuppern» sind. An diesem Augusttag will Pflanzen-Expertin Winklmann die Geheimnisse und die Kraft der Heilpflanzen näher bringen und nebenbei Geschichten und Legenden rund um die «Himmelfahrtskräuter» erzählen.

Doch zunächst stellt sie etwas ganz anderes vor: das uralte Wissen um eine Art Erntedankfest der Frauen. «Schon die Kelten- und Germanenfrauen feierten es im August, und mit der Christianisierung wandelten sich die Anrufungen an die Pflanzengötter in Kräutergebete um», weiß die Führerin. Viele Pflanzen des Sommers sind der Gottesmutter Maria geweiht worden.

Die Wandersleut erfahren bei dieser Gelegenheit auch, dass viele Blühpflanzen als Heilpflanzen zu verwenden sind. Der unscheinbare Beinwell (Beinwohl) hilft als Salbe bei schlecht heilenden Wunden und als Umschlag bei «verknacksten» Fußgelenken, die Mariendistel ist eine starke Heilpflanze bei Leberleiden. Und die Engelwurz duftet nicht nur angenehm, sondern ist als helfendes Kräutle in jedem Klosterkräuter-Likör zum Wohl der Verdauungsorgane zu finden. Prompt steckt ein mitwandernder Mann ein paar Stengel dieser Pflanze in die Hosentasche, denn «es kann ja nicht schaden, wenn man so a guets Mittele nach dem Festwochenbesuch dahoim hoat».

All diese blühenden Kostbarkeiten wurden früher nicht nur zu Heilzwecken gesammelt, sondern hatten auch eine Bedeutung als Zauberkräuter, beispielsweise gegen Blitz und Donner, Verzauberung des Viehs, gegen Hexen und Dämonen. Für eine glückliche Ehe wurden sie als Kräuterboschen im Herrgottswinkel oder im Dachboden aufgehängt - auch das erfahren die Kräuter-Sammler.

Weihe am 15. August

Zum Abschluss gehts noch zu einer Hütte, um die Kräuterraritäten zum Kräuterstrauß zu binden. Derweil erklärt Traudi Winklmann, dass der traditionelle Kräuterboschen aus sieben, neun, 15, 66, 77 oder 99 Pflanzen bestand und dass seit den letzten Jahren der Brauch wieder auflebt, einen Kräuterboschen an Maria Himmelfahrt (15. August) zum Weihen in die Kirche zu tragen. Übrigens: der Duft der Kräuter soll schlechte Einflüsse und «böse Geister» fernhalten, auch das lernten die frischgebackenen Kräuter-Spezialisten.

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