Stiefenhofen
Aufwind für abgebrannten Pferdehof

Plötzlich fliegt Manuela Gerstmayr die Scheibe ihres Wohnzimmerfensters entgegen. Eine unglaubliche Hitze schlägt ihr ins Gesicht. «Du willst nur noch raus. Du willst leben», sagt sie. Was passiert wäre, wenn sie weiter geschlafen hätte - daran möchte die Reittherapeutin vom Pferdehof Aufwind in Hopfen (Gemeinde Stiefenhofen) nicht denken. Bei einem Brand im April verlieren sie und ihre zwei Töchter ihr gesamtes Hab und Gut in den Flammen. Auch ihre Eltern Carla und Anton Haneberg sind betroffen. 140 Feuerwehrler sind im Einsatz, kämpfen drei Stunden lang gegen die Flammen (wir berichteten).

Lebensretter ist der zweijährige Bailey, ein Parson Jack Russell-Terrier. «Ich habe ihn gehört, bin wach geworden», sagt Manuela Gerstmayr. Fünf Minuten danach wäre es vielleicht zu spät gewesen. Mitte Juni haben Gerstmayr und ihr Team den Reitbetrieb wieder aufgenommen. Bei dem Bautrubel mit Kran und Maschinen sei es zu schwierig gewesen, die Therapie mit den Pferden aufrecht zu erhalten, sagt Gerstmayr.

Seit dem Brand ist das dreistöckige Gebäude plus Keller nicht bewohnbar. Das Dachgeschoss, in dem die Wohnung der 42-Jährigen und das Schlafzimmer ihrer Eltern war: ausgebrannt. Fotos, Papiere, Bücher - alles weg. In den unteren Etagen lief das Löschwassers die Wände herunter. Ein Teil des Gebäudes ist wegen Einsturzgefahr zur Sperrzone erklärt.

Angst ist das dominante Gefühl als Gerstmayr klar wird, was um sie herum geschieht. «Du bist machtlos. Ein Feuerlöscher ist ein Witz. Aber ich wusste: Ich überleb das.» Auch an den Pferden geht die Katastrophe nicht spurlos vorüber - ihr Stall in unmittelbarer Nachbarschaft bleibt von dem Feuer verschont. «Sie haben den Rauch gerochen, wollten weg, was aber nicht ging», so Gerstmayr. Sie haben geschwitzt, sind unruhig umher gerannt. Mit Musik und Futter versuchen die Besitzer der eingestellten Pferde, die sofort zum Brandort eilen, die Tiere von dem Durcheinander abzulenken, sie zu beruhigen.

Kaum dass das Feuer gelöscht ist, bringen Nachbarn, Freunde und Bekannte Kleidung und Essen vorbei - «wir hatten ja nichts mehr, außer das, was wir anhatten». Noch immer kann Gerstmayr kaum fassen, wie viel Hilfe ihr und ihrer Familie entgegengebracht wurde. Angefangen bei den Feuerwehrleuten bis hin zu den Reitern und Dorfbewohnern. «Das ist so bewegend - einfach wahnsinn.» Über ein Spendenkonto der Gemeinde sind 1800 Euro zusammengekommen, 800 Euro haben Logo-Chor und Gesprächskreis Stiefenhofen bei einem Kuchenverkauf gesammelt. «Vielen, vielen Dank an alle, die für uns eingestanden sind», sagt Gerstmayr, die niemanden vergesse möchte.

Beim Wiederaufbau des Wohn- und Gästehauses haben Gerstmayr und ihre Eltern feuerschutztechnisch einiges verbessert. Statt aus Holz, ist das Treppenhaus jetzt gemauert. Dieser «Fluchtweg» ist Gerstmayr wichtig. Hinten zum Schlafzimmer raus wird eine Feuerleiter angebracht. Auch die Solaranlage auf dem Dach wird so montiert, dass künftig Wasser von außen nach innen gespritzt werden kann.

Wie hoch der Schaden ist, kann Manuela Gerstmayr noch nicht absehen. Aber sicher im sechsstelligen Bereich. Den Wiederaufbau des Altbestands zahlt zu einem Großteil die Versicherung. Der Rest bleibt an der Familie hängen. «Und alles, was du dir aufgebaut hast - alles Persönliche, die Tapete: bis auf die blanken Wände weggerissen», sagt Gerstmayr. «Du musst alles neu machen, alles neu kaufen.»

Trotz dieses Schicksalsschlags hat Manuela Gerstmayr nie den Mut verloren. Sie hat funktioniert, wie sie sagt. Die Familie hofft, im Oktober wieder in das dann von Grund auf renovierte Haus einziehen zu können. «Es ist heftig, aber das Wichtigste: Uns ist nichts passiert», sagt sie. «Wir haben jetzt eine harte Zeit, aber es fängt neu an - und es wird gut.»

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