Kempten
Auftragslage «sensationell gut»

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Krise - welche Krise? Die ganze Welt spricht von wirtschaftlicher Flaute. Aber das Handwerk in Schwaben steht so gut da wie lange nicht. Die augenblickliche Situation schätzen 77 Prozent der rund 26000 schwäbischen Mitgliedsbetriebe der Handwerkskammer als positiv ein. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwaben, Ulrich Wagner, nennt die Auftragslage in den meisten Branchen sogar «sensationell gut».  Wagner gab seinen positiven Lagebericht jetzt im Allgäuer Medienzentrum Kempten ab. Dort waren Wagner, der neue Präsident der Handwerkskammer Schwaben, Jürgen Schmid (Augsburg), und der neue Vize-Präsident, Hans-Peter Rauch (Waltenhofen), «Gäste der Redaktion» unserer Zeitung.

Woher kommen die vielen Aufträge für die Handwerker? Zum einen würden die Menschen in der Krise ihr Geld verstärkt in die eigenen «vier Wände» stecken - was den Handwerkern viele Aufträge beschere. Zum anderen würden die Städte und Landkreise durch das Konjunkturpaket II für Millionen von Euro ihre Gebäude sanieren.

«Wenn dann Landkreise wie das Oberallgäu oder Lindau die Aufträge nicht einem Generalunternehmer von irgendwoher geben, sondern in kleine Teillose aufteilen, dann können die heimischen Handwerksbetriebe mithalten und viele Zuschläge bekommen», lobt Rauch dieses Verhalten von Politik und Verwaltung.

77 Prozent der Handwerksbetriebe geht es derzeit also trotz Krise zum Teil hervorragend, und so mancher Hausbesitzer muss sogar auf den Maler oder Zimmermann lange warten; die anderen 23 Prozent der Handwerksfirmen jedoch klagen - vor allem jene aus der Metallbranche. Denn als Zulieferer der Auto- oder Maschinenbau-Industrie spüren sie den weltweiten Auftragsrückgang: «Viele Metall-Handwerksbetriebe sind die verlängerte Werkbank der Industrie. Wenn also die großen Konzerne schwächeln, dann trifft es auch die kleinen Handwerker», erläutert Schmid.

Kurzarbeit könne zwar kurzfristig für Abhilfe sorgen, nicht jedoch auf längere Sicht. Da helfe wohl doch nur ein Anziehen der weltweiten Konjunktur.

Zurück zu den drei Vierteln der Handwerksbetriebe, die mit Aufträgen dick eingedeckt sind: Sie brauchen dringend «Nachwuchs», haben aber ein «Image-Problem», wie Schmid einräumt. Viele junge Menschen würden glauben, die Arbeit im Handwerk sei schwer, nicht gut bezahlt, die Arbeitszeiten zum Teil unattraktiv und die Karriere-Chancen eingeschränkt. Deshalb soll das ramponierte Image im kommenden Jahr kräftig aufpoliert werden.

Der Dachverband des deutschen Handwerks plant für 2010 eine 50 Millionen Euro teure Kampagne mit Fernsehspots und Veranstaltungen, um zu zeigen, dass die Handwerksberufe interessant, sicher und zukunftsorient sind. Damit die Handwerksberufe im Kampf um die Köpfe gegenüber der Industrie und den Hochschulen nicht leer ausgehen, bedarf es laut Schmid der Aufklärung - auch der Eltern und der Pädagogen. «Denn viele Lehrer denken immer noch, wir machen das Licht mit dem Hammer aus», sagt Schmid sarkastisch. Dabei seien viele Handwerksbetriebe heute bereits Hightech-Unternehmen mit den modernsten Maschinen. Trommeln gehört zum Geschäft - das sieht Rauch genauso. Wobei er einräumt, dass kleinere Betriebe zum Teil das Problem hätten, mit den Lehrlings-Löhnen in der Industrie mitzukommen.

Aber die Handwerks-Azubis hätten andererseits die Chance, nicht nur ein paar Handgriffe an einer Maschine kennenzulernen, «sondern ein Produkt von Anfang an bis zum Ende erleben zu können.»

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