Schuldfähigkeit
Auftaktsitzung um Parterre-Mord am Kemptener Landgericht: Angeklagter wirkte ruhig und teilnahmslos

Am Dienstag, 16. April 2019, fand die Auftaktsitzung im Prozess um den Parterre-Mord am Kemptener Landgericht statt.
  • Am Dienstag, 16. April 2019, fand die Auftaktsitzung im Prozess um den Parterre-Mord am Kemptener Landgericht statt.
  • Foto: Matthias Becker
  • hochgeladen von Stephanie Eßer

Im Dezember 2013 soll der Angeklagte einer damals 63-jährigen Frau mit einem Ausbeinmesser zwei Schnitte an der Halsvorderseite zugefügt haben. Und weil er das Opfer weiter atmen hörte und es ihm zu wenig blutete, fügte er der Frau 14 gezielte Stiche in den Brustkorb zu, zwei davon ins Herz. Die 63-Jährige kannte den Täter flüchtig und soll ihn deshalb in die Wohnung gelassen haben. Für die Polizei überraschend stellte sich der Angeklagte fast fünf Jahre nach der Tat selbst.

An insgesamt drei Verhandlungstagen soll das Gericht nun unter anderem herausfinden, ob der heute 35-jährige Angeklagte, der an paranoider Schizophrenie leidet, überhaupt schuldfähig ist. Vor der Tat soll er die Frau nämlich immer wieder in Alpträumen gesehen haben. Stimmen hätten ihm befohlen, die Frau zu ermorden.

Vor Gericht schwieg der 35-Jährige, wollte keine Aussage machen. Während der gesamten Sitzung saß er ruhig in seinem Stuhl, schaute mit gesenktem Kopf auf seine Hände und den Tisch, wirkte teilnahmslos. Nur wenige Male schweifte sein Blick in den Zuschauerraum. Erst als ein Sachverständiger der Blutspurenanalytik seine Ergebnisse schildert, schaut der 35-Jährige in Richtung des Richterpultes, an dem sich Verteidiger, Nebenklage, Staatsanwaltschaft und Psychologe zum Begutachten der Befunde eingefunden haben. Von einigen geladenen Zeugen wird der 35-Jährige als "ruhig", "introvertiert" und "merkwürdig" beschrieben.

Wie der Prozess ausgeht, bleibt abzuwarten. Denn Rechtsanwalt Klaus-Dieter Maier, Verteidiger des 35-Jährigen, hinterfragte energisch die Aussagen des als Zeugen geladenen nahen Familienangehörigen der Getöteten. Dieser wurde zunächst selbst der Tat verdächtigt, das Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde aber später wegen nicht hinreichender Beweise eingestellt.

Außerdem stellte er einen Antrag, dass Gegenstände aus zwei Vernehmungen des Beschuldigten seitens der Kriminalpolizei nicht verwendet werden sollen. Der Angeklagte sei aufgrund seiner Erkrankung, Depression und paranoider Schizophrenie, sowie seiner Medikation nicht vernehmungsfähig gewesen. Bei diesen Befragungen sei zudem der Pflichtverteidiger nicht anwesend gewesen, obwohl sowohl die Beamten als auch die Staatsanwaltschaft von dem gestellten Verteidiger gewusst haben sollen. DNA-Spuren des Angeklagten konnten die Beamten jedenfalls nicht am Tatort finden, vermutet wird, da der Täter Handschuhe getragen haben soll, so ein Sachverständiger am ersten Prozesstag.

Wichtig wird wohl auch das Gutachten des betreuenden Psychologen sein. Dieser beobachtet den Angeklagten auch während der Verhandlung und Zeugenaussagen. Er soll aller Voraussicht nach am zweiten Prozesstag, 18. April 2019, Stellung nehmen.

Autor:

Stephanie Eßer

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