Waltenhofen
Aufbruchstimmung im Gusswerk

Die Mitarbeiter des Gusswerks Waltenhofen lassen sich das Hähnchen oder den Leberkäse schmecken: Nach Monaten des Bangens um die Zukunft ihres Betriebs halten Dr. Ruja Ignatova und ihr Vater Plamen Ignatov den Schlüssel für das Werk in Händen. Und das wird mit einer deftigen Brotzeit gefeiert.

Nicht nur die 30-jährige Juristin und Kauffrau strahlt Optimismus und Einsatzbereitschaft aus. Auch in der Belegschaft herrscht Aufbruchstimmung, wie Betriebsrat Georg Raith bekräftigt.

Nach einer langen Durststrecke in dem Bewusstsein, dass es so nicht weitergehen könne, seien die meisten guter Hoffnung und hätten das Gefühl: «Jetzt passt alles.» Für das Gusswerk war Ende Dezember Insolvenz angemeldet worden, die von der Ulmer Kanzlei Schneider Geiwitz verwaltet wurde.

Für Dr. Ruja Ignatova und ihren Vater war die Unterstützung der Belegschaft gar «ausschlaggebend für die große Investition». Plamen Ignatov, Diplomingenieur auf dem Gebiet der Gießereitechnik, und seine Tochter, die über fünf Jahre bei der Unternehmensberatung McKinsey arbeitete, waren schon länger auf der Suche nach einem Gusswerk, um ihr Konstruktionsbüro für Gießereitechnik in Stuttgart zu ergänzen.

Jetzt soll das Büro nach Waltenhofen verlegt werden, die gebürtigen Bulgaren ziehen auch um. Die neue Geschäftsführerin und ihren Vater, der die technische Leitung übernimmt, hat vor allem das «sehr qualifizierte Personal» überzeugt. Auch der gute Name des Gusswerks und die Tradition, die dahinter steht, hat sie begeistert.

Die Spezialisierung des Werks auf sehr große Teile, zwischen fünf und 25 Tonnen schwer, sei ohne Fachkräfte gar nicht fortzuführen, eine Auslagerung in Länder im Osten deshalb undenkbar, meint Dr. Ruja Ignatova. Sie setzt lieber darauf, dass das Gusswerk seine Produkte vermehrt auch in östliche Länder verkaufen kann, und sieht Anzeichen für ein Ende der Wirtschaftskrise.

Die habe zur Insolvenz geführt und zu einem Rückgang der Produktion von 12000 Tonnen im Jahr 2008 auf vielleicht 7000 Tonnen geführt. Den früheren Ausstoß an Maschinenbauteilen will Ignatova wieder erreichen. Dazu werden im nächsten Jahr 1,5 Millionen Euro in neue Öfen investiert.

Dann könnte sich womöglich auch der große Wunsch der verbliebenen 85 Mitarbeiter von früher 135 erfüllen: «Das Schönste wäre, wenn die anderen wieder zurückkommen könnten», hofft Huseyin Oguz. Dieses Ziel teilt er mit seiner neuen Chefin: «Wir haben uns mit einer beträchtlichen Summe an der Auffanggesellschaft für die gekündigten Kollegen beteiligt, weil wir uns als größter Arbeitgeber Waltenhofens in der Verantwortung fühlen.»

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