Jazzfrühling
Auf Trommelwirbel folgt Donnergrollen

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Beatrix Schaich und Reinhard Hornburg kann kein Musiker ein X für ein U vormachen - oder besser ein C für ein D spielen. Das Paar blickt auf eine Jazz-Frühlingserfahrung zurück, wie sie nicht allzu viele haben: Seit 22 Jahren sind sie immer dabei, wenn in Kempten Instrumente den Ton angeben. Das Bekenntnis zu seiner Musikliebe trägt der 66-jährige Kemptner Hornburg am Ohr: Dort steckt ein goldener Notenschlüssel.

Der frischgebackene Rentner hat selbst Jahrzehnte lang Akkordeon gespielt und ist als Alleinunterhalter aufgetreten. Schon damals liebte er die Atmosphäre, wenn sich viele Menschen in Biergärten drängen, um Musik zu hören. Auch seine 64-jährige Lebensgefährtin Beatrix Schaich musste Reinhard Hornburg nicht davon überzeugen, dass Jazz Körper und Gemüt zum Swingen bringt. Und so legt die frühere Kauffrau ein paar Tango-Schritte zu den entsprechenden Rhythmen der «Creole Clarinets» hin und wiegt den Körper im Takt. Reinhard Hornburg drückt seine Begeisterung gemäßigter aus: Er klopft den Herzschlag der Musik nur mit der Hand mit. Überhaupt: «Die Kemptener brauchen lang, um warm zu werden», findet Beatrix mit Blick auf das zurückhaltende Publikum.

Mit Kennermiene fachsimpeln die beiden über die Qualitäten der Bands auf den vielen Bühnen der Stadt. «Es ist eigentlich immer für jeden etwas dabei», loben sie den Arbeitskreis Jazzfrühling des Kleinkunstvereins Klecks für seine Auswahl der Musiker. Auch die Mischung zwischen alten Bekannten und neuen Gruppen gefällt dem Paar. Offen für viele Stilrichtungen im Jazz, die sich auch in einer umfangreichen CD-Sammlung niederschlagen, haben Beatrix und Reinhard mit «Modern Jazz» wenig am Hut: «Bei dem Gequietsche fehlt die Harmonie, das ist uns zu anstrengend», sind sich die beiden einig.

Unkonventionell darfs aber sein. So interessiert das Paar die bayerisch-österreichische Blassticks Brassband mit ihren «alpin-musikalischen Extremsituationen» und die «elegante Spielweise» der Creole Clarinets. 280 Euro haben sie bereits für Konzertkarten während des Jazzfrühlings ausgegeben - und es wird noch mehr werden. Denn die beiden Kemptener lieben nicht nur die Spontaneität der Musiker mit ihren Improvisationen, sondern auch ihre eigene Freiheit, sich für das eine oder andere Konzert noch kurzfristig zu entscheiden.

Als «alte Hasen» im Jazz-Geschäft wissen sie natürlich, dass am Eröffnungstag des Jazzfrühlings «eigentlich immer schönes Wetter ist». Sie sollten recht behalten: Blitz und Donner lösen Pauken und Trompeten erst kurz nach 13 Uhr ab.

 

 

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