Kaufbeuren
Auf Linie 18 durch Wald und Flur

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Kein Licht, keine Menschenseele. Um kurz vor fünf Uhr morgens ist der Kaufbeurer Plärrer wie ausgestorben. Der Verkehrsknotenpunkt, der Platz, über den tagsüber der gesamte Busverkehr aus Kaufbeuren und dem Umland geleitet wird, schlummert noch tief und fest. Knapp drei Kilometer weiter östlich geht es um diese Zeit ebenso beschaulich zu. Auf dem Betriebsgelände der Verkehrsbetriebe Kirchweihtal ist nur leises Motorenknattern eines Linienbusses zu hören. Aus einer sanft beleuchteten Garage.

Markus Neher (31) lehnt derweil im Aufenthaltsraum neben einem Kaffeeautomaten. In der Hand eine Tasse Cappuccino. Ein allmorgendliches Ritual. Neher ist einer von rund 70 Busfahrern des Unternehmens, die auf zwölf Stadt- und neun Regionallinien unterwegs sind - von Marktoberdorf bis Buchloe, von Denklingen bis Mindelheim. Nehers Wagen fährt auf Linie 18. Über Germaringen, Dösingen und das Fuchstal nach Denklingen. Auf dem Hinweg sei diese Strecke angenehm, kaum stressig, meint Neher. Auf dem Rückweg ist der Bus dann rappelvoll mit Schülern. Um kurz nach 8 Uhr kommt Neher dem Fahrplan gemäß wieder an den Marienschulen in Kaufbeuren an. «Und da ist schon einiges geboten», sagt er. Momentan allerdings genieße er quasi die Ruhe vor dem Sturm, die letzten Tage der Sommerferien.

Der 31-Jährige nimmt noch einen letzten Schluck aus der Kaffeetasse, dann packt er seine Unterlagen, seine grünliche Tasche und schlendert über den großen dunklen Hof zu den Garagen. «Nerven braucht man als Busfahrer schon gute. Bei den Schülern genauso wie bei den älteren Leuten», meint er. Und dann erzählt er weiter. Von Stammkunden, die seit mehr als 25 Jahren auf der gleichen Strecke tagtäglich mitfahren. Von den Vorzügen des öffentlichen Nahverkehrs und von der Notwendigkeit flächendeckender Verbindungen. Neher: «Gerade für ältere Menschen ist der Bus oft die einzige Möglichkeit, um von A nach B zu kommen.»

Bis zur Abfahrt seines Busses sind es noch knapp 15 Minuten. Neher richtet sich seinen Fahrerbereich ein. Er legt eine neue Tachoscheibe ein, legt Wechselgeld bereit und meldet sich über den Bordcomputer zum Dienst. Dann geht es raus zur Tankstelle. Während Neher sein Fahrzeug mit Diesel versorgt, überspielt der Bordcomputer die Daten des Vortages auf einen Zentralrechner in Krumbach. Von dort werde täglich auch die Software des Geräts aktualisiert, inklusive Baustellenmeldungen oder anderer Informationen, sagt Neher. Der 31-Jährige schreitet abschließend noch einmal den gesamten Bus ab. Funktionieren alle Beleuchtungen? Ist das Fahrtziel richtig eingestellt? Dann verabschiedet er sich, schließt die Türen und fährt ab. Pünktlich.

Inzwischen ist der Betriebshof im Gewerbepark deutlich belebter. Fast minütlich rangieren weitere Busse rückwärts aus den riesigen Hallen. Auch Werner Malcher steuert eines der 52 Kirchweihtal-Fahrzeuge. Seit 35 Jahren ist er Busfahrer, derzeit auf Linie 57 unterwegs - zwischen Kaufbeuren und Buchloe. «In der früh fahren viele Pendler mit, die dann in Buchloe in den Zug umsteigen», erklärt der 58-Jährige. Er arbeite viel lieber im Linien- als im Reiseverkehr. Des geringeren Drucks wegen. Lediglich der Fahrplan gebe ihm seine Arbeit vor. «Sonst ist man recht flexibel und kann sich seine Zeit selbst einteilen», meint Malcher. Vor der Abfahrt wirft er im Bürogebäude noch einmal einen letzten Blick auf den Dienstplan, dann auf das schwarze Brett.

Gibt es neue Baustellen? Änderungen von Zu- und Ausstiegen? Neue Schülerkarten? Über alles, was die Busfahrer bei ihrer Arbeit direkt betrifft, werden sie auf der Pinnwand informiert. Auch Malcher fährt wenig später hinaus in den Kaufbeurer Morgen. Es ist kühl, der Himmel ist bewölkt. Und das schlägt dem 58-Jährigen ein wenig aufs Gemüt. «Es gibt nichts Schöneres, als frühmorgens über Land zu fahren und einen Sonnenaufgang zu bewundern», meint er.

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