Ebenhofen
Auf Fassbinder folgte die Flöte

Auf stolze 25 Jahre kann der «Flötenhof» zurückblicken. 1984 gründete Herbert Paetzold den gemeinnützigen Verein, der seither eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte schrieb. In Ebenhofen (Ostallgäu) konnte Paetzold so etwas wie seinen «Urtraum» verwirklichen. Seit zehn Jahren beherbergt hier der Flötenhof alles unter einem Dach: die Blockflötenbau-Werkstatt, den Laden für neue und historische Instrumente, Seminar- und Kursräume, Gästezimmer, die eigene Wohnung und sogar einen kleinen Konzertsaal.

Über berufliche Umwege kam der aus München stammende Paetzold zum Flötenbau. In jungen Jahren war er Beleuchter im Münchener Residenztheater, und wirkte dann als Kameramann an Filmen des legendären Regisseurs Rainer Werner Fassbinder (1945 - 1982) mit (unter anderem «Liebe ist kälter als der Tod», «Katzelmacher» und «Acht Stunden sind kein Tag»). Über einen Onkel, einen Tübinger Blockflötenbauer, kam Paetzold, der eigentlich immer Autodidakt war, danach zum Blockflötenbau.

Als Quereinsteiger begann er, eckige Blockflöten-Kontrabässe aus geleimtem Sperrholz zu entwickeln. Dabei entdeckte er, dass die Blockflöte physikalisch eines der kompliziertesten Instrumente ist.

Seine revolutionären Modelle zeigten einen vereinfachten Klappenmechanismus mit schnellerer Spielbarkeit, ein direktes Anblasen ohne Luftverzögerung und insbesondere einen verfeinerten Klang. Das war eine «Riesendurststrecke», sagt er, doch inzwischen sind die «Paetzold-Bässe» auch für zeitgenössische Komponisten ein Begriff. Heute verkaufen sich die fünf Größen von Kinder-Bassett bis zum gewaltigen Subkontrabass in die ganze Welt.

Die Blockflöte schärfte Paetzolds Ohr für die Alte Musik. Zeitlich geriet er Mitte der 70er Jahre in den Sog der Originalklang-Bewegung und historisch orientierten Aufführungspraxis. So baut er auch Renaissance- und Frühbarock-Instrumente nach. Auf Festivals und Ausstellungen in Brügge oder Utrecht machte er sich mit der Alten-Musik-Szene, lernte internationale Künstler kennen.

Gemeinsam mit seiner Frau Christina (45) organisiert er mittlerweile auch Seminare, Kurse und Konzerte.

«Was ich mache, mache ich voll», war stets seine Devise. 270 Konzerte mit über 450 Musikern und rund 18000 Besuchern hat er auf die Beine gestellt und dem Publikum die Begegnung mit Weltstars beschert, etwa mit dem japanischen Lautenmeister Toyohiko Satoh oder der amerikanischen Querflötenmagierin Carin Levine.

Beim «Tag der offenen Tür» am Samstag, 12. September (10 bis 17 Uhr) stellt sich der Flötenhof vor. Um 11 Uhr und um 15.30 Uhr gibt es jeweils Haus- und Werkstattführungen, bei denen auch eine historische Drehbank und die größte Blockflöte der Welt vorgestellt werden. Um 14 Uhr trifft sich am Flötenhof die Oldtimer-Parade des «Süddeutschen Motorwagenvereins München».

Viel Musik gibt es zudem, unter anderem spielt um 14.30 Uhr ein Blockflötenchor.

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