Lindenberg
«Auf der Hub» feiert die gute Gemeinschaft

Gegründet wurde die Wohnsiedlung «Auf der Hub» vor 75 Jahren, um bezahlbaren Wohnraum für Arbeiter und kinderreiche Familien zu schaffen. Heute sind die zehn Häuser ein Beispiel für eine Nachbarschaft, deren Zusammengehörigkeit Lindenbergs Bürgermeister Johann Zeh schlicht «toll» nannte. Mit einem Straßenfest feierten die «Huber» samt Nachbarn und ehemaligen Bewohnern am Samstag das Jubiläum.

Es war das Reichsheimstättenamt, das im Jahr von Hitlers Machtantritt gemeinsam mit der Stadt Lindenberg die Initiative ergriff, um eine «vorstädtische Kleinsiedlung» zu schaffen. Auf bis zu 1000 Quadratmeter großen Grundstücken entstanden zehn Häuser mit einer Wohnfläche von jeweils 75 Quadratmetern. Die Küche war damals gleichzeitig auch Bad und Wohnraum. Lediglich Schlafzimmer für Eltern und Kinder waren ansonsten vorhanden.

Der Bau der Häuser erwies sich häufig als schwierig, weil es sich um ein Moorgebiet handelte. So haben sich im Laufe der Jahre in manchem Haus die Böden um einige Zentimeter gesenkt. Trotz geringer Baukosten hatte manche Familie Mühe, die monatlichen Zinszahlungen zu erbringen.

«Viele Frauen produzierten in Heimarbeit für die Hutindustrie», erinnert sich Marlene Führer, deren inzwischen verstorbener Ehemann Willi lange Jahre für die Organisation der Straßenfeste zuständig war. Um etwas Geld übrig zu haben, wurde häufig die Couch in der Küche an jene Arbeiter vermietet, die Mitte der 1930er Jahre die Alpenstraße (B308) bauten. Genug zu essen war vorhanden, denn alle Familien nutzten das große Grundstück, um Gemüse anzupflanzen und mindestens ein Schwein und Hühner zu halten. Im «Meier-Haus», das in den letzten Jahren nur innen umgebaut wurde, wohnte ein Ehepaar mit zwölf Kindern.

Nur noch Hasen auf der Wiese

75 Jahre danach hat sich viel verändert. Allenfalls als Gewürzgarten kommt das Grundstück noch zum Einsatz. Die meisten Häuser sind längst umgebaut. Aus 75 wurden bis zu 245 Quadratmeter. In einigen Häusern wohnen nur noch zwei Menschen. Und allenfalls Hasen hoppeln über die Wiese.

Besuch aus Osnabrück

Stolz sind die Bewohner der Hub aber auf ihre gute Gemeinschaft. So kamen nicht nur die jetzigen Bewohner zum Straßenfest am Samstag. Aus Melle bei Osnabrück sind Monika und Georg Lübbert angereist. «Meine Frau ist hier aufgewachsen, meine Schwiegermutter lebte hier. Jetzt ist sie im Altenheim, und wir konnten einen Besuch bei ihr mit dem Straßenfest hier verbinden», erzählt Georg Lübbert.

Manchen Besitzerwechsel haben die Häuser erlebt. Drei von ihnen sind aber noch in der Hand jener Familien, die vor 75 Jahren als erste einzogen. «Oft klappt der Generationswechsel», weiß Helmut Böller, der in diesem Jahr erstmals für die Organisation des Straßenfestes verantwortlich war. Die derzeit älteste Bewohnerin war schon 1934 als Zehnjährige dabei: Paula Wiedemann ist inzwischen 85 und lebte 35 Jahre lang in Köln. Doch seit ihrer Pensionierung ist sie wieder «auf der Hub» zuhause und genoss die vielen Gespräche mit alten Bekannten ebenso wie die anderen Besucher.

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