Weiler
Auf den Spuren der Glasmacher im Allgäu

Über die Allgäuer Glasgeschichte hat die Kunstmalerin und Glasmachermeisterin Susanne Wolf aus Kleinweiler im Kornhausmuseum in Weiler einen Vortrag gehalten. Darin legte sie vor rund 30 Zuhörern die Herkunft und Grundlagen der Entstehung von Glas, die Techniken der Glasmacherkunst und die wirtschaftliche Bedeutung der Glashütten im Allgäu dar.

Der Ursprung des Werkstoffes Glas ist laut Susanne Wolf vor etwa 7000 Jahren in Mesopotamien zu suchen. Um 1400 vor Christus gab es die ersten Hohlgläser. In den Anfängen sei Glas ein überaus teures Material gewesen, das mit Gold aufgewogen wurde, erklärte Wolf. Deshalb sei dessen Verwendung den wohlhabenden Gesellschaftsschichten vorbehalten geblieben.

Zum Gebrauchsgegenstand und damit zur Massen- und Handelsware sei Glas etwa 100 vor Christus geworden. Als erste Hochblüte der Glaskunst nannte Susanne Wolf die Zeit des Römischen Weltreiches. Eine neue Blütezeit habe sich im 15. Jahrhundert - in der Zeit der Renaissance - in und um den Stadtstaat Venedig entwickelt.

Im Allgäu ist laut den Ausführungen der Glasmachermeisterin die Glasherstellung vom 17. Jahrhundert an gut dokumentiert. Die erste Glashütte sei um 1650 in der Nähe des heutigen Hofgutes Kürnach entstanden. Dieser neue Wirtschaftszweig habe sich in Folge des Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und seiner Zerstörungen entwickelt. Wiederaufbauarbeit sei vonnöten gewesen. «Klöster und adlige Herrschaften, allen voran das Kloster Isny, das Stift Kempten und die Adligen von Waldburg-Zeil hatten großen Bedarf an Glas und auch an Menschen», sagte Susanne Wolf. So seien Glasmacherfamilien im Gebiet der Adelegg angesiedelt worden, die den Wald rodeten und damit auch neue Flächen zur Bewirtschaftung schufen.

Dass die Glasmacherkunst in der Adelegg im 19. Jahrhundert einen Niedergang erlebte, begründete die Referentin mit der Industrialisierung in der Glasherstellung. Anfang des 19. Jahrhunderts hätten nur noch zwei Glashütten existiert. Die Bedeutendere, die Familie Schmid, sei in den Adelsstand aufgestiegen, habe sich «von Schmidsfelden» genannt und im Gebiet des heutigen Glasmacherdorfes Schmidsfelden bis 1898 gelebt. Schmidsfelden ist heute ein Museumsdorf mit einem Glasmachermuseum.

Von noch zwei namhaften Glashütten in Allgäu erzählte Susanne Wolf in ihrem Vortag. In Bad Wurzach würden Getränkeflaschen hergestellt - zwei Millionen Stück pro Tag. Die Glashütte Friedrich in Gablonz produziere Spezialglas für andere Glashütten oder für Kunstglaswerkstätten.

Susanne Wolf selbst betreibt gemeinsam mit ihrem Mann eine solche Kunstglaswerkstatt in Kleinweiler. Was sie persönlich an der Glaskunst so fasziniert beschrieb sie so: «die Transparenz und Leuchtkraft von Glas, die die Atmosphäre eines Raumes ungeheuer beeinflussen kann»

Termin: Die Ausstellung «Glas und Kunst» von Susanne Wolf ist noch bis 23. August im Kornhaus in Weiler zu sehen. Geöffnet Mittwoch bis Samstag 14.30 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 12 Uhr.

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