Immenstadt
Auf dem Weg zur Selbständigkeit

So ändern sich die Zeiten: Bei der Verleihung des Kunstpreises der Stadt Kempten präsentierten sich Kemptens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer und Preisträger Stefan Winkler im Kemptener Residenzhof guter Laune und lächelten - in Anspielung an ein prämiertes Selbstporträt Winklers - mit Clownsnasen in die Kamera. Dabei war es zwischen den beiden vor sieben Jahren an gleicher Stelle zu einem kleinen Eklat gekommen.

Winkler hatte für die Festwochen-Kunstausstellung 2002 mit seinem Künstlerkollegen Max Elhardt ein gemeinsames Objekt eingereicht. Doch ihr «Durchblicker» fiel bei den Jurymitgliedern durch, was die beiden zu einer provokanten Aktion veranlasste. Bei der Vernissage traten sie im Residenzhof mit Bauchläden auf, um ihre von der Jury verschmähten, industriell gefertigten «Durchblicker» für fünf Euro feilzubieten. «Der OB fand das gar nicht lustig», erinnert sich Winkler grinsend. Doch das Kriegsbeil zwischen ihm und Netzer sei längst begraben.

Könnte gut sein, dass sich die beiden bald öfter begegnen. Denn Winkler braucht Luftveränderung und sucht eine Wohnung in Kempten. «Mein Ziel war immer, ein Leben als freischaffender Künstler zu führen», sagt er. «Jetzt bin ich auf gutem Weg zur Selbständigkeit.»

Auf Abendkurse folgt Studium

Aber es war ein harter, beschwerlicher Weg bis heute, den Stefan Winkler zurücklegte. Von Kunst leben, daran war vor vielen Jahren noch nicht zu denken. In Abendkursen, etwa bei der 2008 verstorbenen Künstlerin Edith Baumann, entdeckte er die Leidenschaft fürs Malen. Nach seinem Studium in Weimar in den 90er Jahren («Damals war viel möglich, die Freiräume dort fand ich klasse.») kehrte er nach Immenstadt zurück. Als Maler und Lackierer arbeitete er, um Geld zu haben, die Miete zu bezahlen, zu essen und zu trinken. Doch am Wochenende zog er sich in sein Atelier zurück, um zu malen - und um «richtig» zu leben. «Doch die Diskrepanz wurde immer größer», erzählt Winkler. 2008 warf er den Handwerkerberuf endgültig hin.

Damals begann er sich mit dem Genre des Selbstporträts zu beschäftigen «Es geht mir um die eigene Wahrnehmung, aber die Umsetzung soll auch für den Betrachter interessant sein.» Von «Bildfindung» spricht er in diesem Zusammenhang. «Es geht darum, Bildideen zu haben, die es lohnt, darüber nachzudenken und zu malen.» Und Letzteres tut er am liebsten mit Acrylfarbe. Immer mehr greift er zu «farbigen Graus», die für ihn - weil kein Schwarz beigemischt wird -, «etwas Seriöses» haben. Seinen gemalten großformatigen Selbstporträts gehen mittels Selbstauslöser geschossene Fotos voraus oder auch Bleistift-Zeichnungen.

Den beiden mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten ausgezeichneten Werken werden weitere Eindrucksvolle folgen, dies wird beim Atelierbesuch deutlich. Und immer wird der Betrachter einem anderen Stefan Winkler begegnen - und vielleicht auch ein wenig sich selbst.

Winklers prämierte Werke sind im Rahmen der 60. Festwochen-Kunstausstellung noch bis 13. September im Hofgartensaal der Kemptener Residenz zu sehen (geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr).

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