Auf dem Weg zum Erfolgsmodell

Von Benjamin Schäling | Marktoberdorf Heute steht das Obst auf dem Programm. Welche Frucht ist auf dem kleinen Karton zu erkennen und welche Farbe hat sie, will Susanne Lyschik wissen. In der Sprachförderungsgruppe des städtischen Adalbert-Stifter-Kindergartens betreut die Lehrerin zweimal in der Woche neun Vorschulkinder mit 'Migrationshintergrund'.

Die Kinder der Gruppe sind zwar zum Teil hier geboren, haben aber oft noch Probleme mit der deutschen Sprache. Häufig, weil die eingewanderten Eltern dieser selbst nicht wirklich mächtig seien, wie die Leiterin des Kindergartens, Brigitte Pfeilschifter, sagt. Auch Wolfgang Wieder, bei der Stadt für die Kindergärten zuständig, sieht hier die große Herausforderung: 'Wenn wir die Eltern noch mit ins Boot bekämen, wäre ein großer Schritt getan.'

Heute läuft es bei den meisten Kindern richtig gut. Die Banane wird vom kleinen Govanni sofort identifiziert und 'sie ist gelb', weiß er. Nach dem Unterricht im Stuhlkreis werden am Tisch noch Früchte auf einem Blatt ausgemalt und ein Lied gesungen. 'Das Singen hilft den Kindern enorm beim Lernen der fremden Sprache', betont Pfeilschifter, in deren Kindergarten 20 der 50 Kinder aus Familien mit russischer, türkischer oder albanischer Herkunft sind.

Laut Sozialministerium sollen die Vorschulkinder mit ausländischen Wurzeln insgesamt 160 Stunden Sprachunterricht erhalten, bevor sie in die Grundschule wechseln. Diese Aufgabe wird laut Wolfgang Wieder ausgewogen zwischen Kindergarten und Schule aufgeteilt. Wieder betont jedoch, dass der Förderungsbedarf in Marktoberdorf schon vor Einführung des neuen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes im Jahr 2005 erkannt wurde. Ohnehin würde dieses Gesetz zu kurz greifen, da es nur die Vorschüler betrifft.

Anschauliches im Vordergrund

Zu Beginn des letzten Kindergartenjahres werden die Sprachkenntnisse der Vorschüler nach bestimmten Kriterien erfasst. 'Danach wird beurteilt, welches Kind Förderung braucht und welches nicht', erklärt Pfeilschifter. Aber auch im Kindergartenalltag werde allen Kindern, also deutschen und nicht-deutschen, viel Sprachunterricht gegeben. Besonders das Anschauliche, wie beispielsweise Bilderbücher, steht hierbei im Vordergrund.

Den Ansatz des Lernens im Alltag verficht Christine Burkhardt, Leiterin des Kindergartens St. Martin. Zwar werden auch ihre Vorschüler regelmäßig unterrichtet, doch Burkhardt ist sich sicher, dass 'im Alltag sehr viel' gelernt werde. In beiden Kindergärten ist deutsch die 'Amtssprache' und die Kinder halten sich eifrig daran. Eine Integration sei einfach zu schwer möglich, wenn die Landessprache nicht beherrscht werde, meint Burkhardt. Über die anschauliche Ebene läuft auch in ihrem Kindergarten sehr viel. 'Wenn ich den Kindern etwas zeige und sie können mitmachen, dann lernen sie es besser, als wenn ich es ihnen erkläre', sagt Burkhardt, die seit mehr als 30 Jahren Erzieherin ist.

Im Kindergarten St. Martin, in dem 13 von 50 Kindern Migranten sind, wird einmal pro Woche gekocht. Dabei lernen die Kinder die Bezeichnungen der Zutaten. Aus Büchern bekommen sie zudem wichtige Alltagsdinge vermittelt. 'Das lasse ich mir dann wiederholen, um zu sehen, ob die Kinder was mitnehmen', erklärt Burkhardt. Ihrer Meinung nach hat dies Erfolg.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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