Obermaiselstein
Auch mit 83 das Paddel fest im Griff

Als Hans-Peter Pinn mit dem Kanufahren begann, trieb ihn weniger der Sportgedanke als die schlichte Möglichkeit der Fortbewegung auf das Wasser. Wasser sei schon immer sein Element, «es steckt in mir drin», sagt der geborene Hamburger. Krabbenfischer und Reedereibesitzer seien seine Vorfahren gewesen, doch die Liebe trieb ihn vor 57 Jahren weg von der Waterkant ins Oberallgäu nach Obermaiselstein.

Mit seinem Faltboot im Gepäck wagte er die Reise in den Süden und knüpfte dort schnell Kontakte zu bayerischen Kanuten. Sein Eintritt in den Kanu-Club Allgäu begann 1963 wie viele seiner heute internationalen Kanuten-Kontakte auf dem Wasser.

Ohne Schwimmkurs geht nichts

Verantwortungsbewusstsein bewies der heute 79-Jährige als der Wunsch seiner Frau Frieda aufkeimte, auch ins Kanu zu steigen. «Ohne Schwimmkurs geht gar nichts!», mahnte Hans-Peter damals seine «Friedl». Die Hotelfachfrau war nämlich bis Ende der 60-er Jahre Nichtschwimmerin. Sie setzte erst nach einem erfolgreich absolvierten Schwimmkurs ihr eigenes Kanu aufs Wasser. Seit diesem Zeitpunkt konnte es für die heute 83-Jährige nicht aufregend genug sein. Die Wildwasser wurden ihre Leidenschaft.

Die Wertach von der Römerbrücke Seeg über Nesselwang nach Marktoberdorf, die Argen ab Oberstaufen, die Breitach, die Iller ab Kempten bis Altusried - das sind Frieda Pinns schönsten Strecken im Allgäu. Dabei hat sie mit ihrem Mann ganz Europa und sogar Neuseeland bereist. Anerkennung für ihr Können muss sich das Ehepaar Pinn nicht mehr holen. «Wir können schon mit Ehrenkrügen Handel treiben.» Bei der Elbe-Wanderfahrt räumte «Friedl» 1997 und 1998 «nebenbei» den Pokal für den Gesamtsieg ab. Darum ginge es für beide aber nicht. Die spannenden Erlebnisse, wie bei Schneesturm auf der oberen Isar, die Flora und Fauna an den Ufern der Flüsse Europas, und die anspruchsvollen Strecken reizen das Paar noch heute. «Solange wir noch ins Boot rein und wieder rauskommen, machen wir weiter.

» Langlauf im Winter, eine Stunde am Tag mit dem Hund gehen oder Radfahren und die gute Luft im Allgäu» halten Frieda Pinn fit. Sie nahm kürzlich an der Agnes-Bernauer-Fahrt von Vohburg nach Kehlheim teil. Die Saison beendet sie mit der «Krampus-Fahrt» beim befreundeten Kanu-Club Donauwörth am 5. Dezember.

Hans-Peter Pinn ist spätestens nach den ersten Zügen im Frühlings-Schmelzwasser wieder topfit. Nach 60 Jahren im Kanu kein Wunder. Kennt er doch sein Sportgerät in- und auswendig. Erst Faltboot, dann Polyester und heute Kunststoff - der Wahl-Allgäuer kennt jede Entwicklungsstufe und jedes Terrain, auf dem er sich fortbewegt. Nur beklagt er wie auch seine Frau die gewaltsame Veränderung der Umwelt durch den Menschen, die den Kanuten die Freude verdirbt.

Schöne Strecken gesperrt

Flussbegradigungen und Staustufen aber auch Sportler, die rücksichtslos mit der Natur umgehen, führten zur Sperrung einiger schöner Strecken. Dabei sei der Kanusport eine Fortbewegung auf dem Wasser, eine respektvolle Wanderung durch und im Einklang mit der Natur.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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