Immenstadt
Auch Frauen sollen zur Motorsäge greifen können

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Noch betrachten die vier Frauen die Motorsägen mit einem gewissen Respekt. Bisher haben sie die scharfzahnigen Geräte höchstens für Vater oder Ehemann getragen. Jetzt dürfen sie selber sägen - und zwar beim erste Motorsägenkurs für Frauen, der im Zuge einer Ausstellung zum Thema Bergwald im Bergbauernmuseum Immenstadt-Diepolz stattfand.

Männer waren bei dem Kurs unerwünscht. «Sie bringen oft schon Basiswissen mit. Das schreckt Frauen ab, vermeintlich dumme Fragen zu stellen», sagt Forstingenieur Gerhard Rohrmoser.

Dabei wird die Arbeit mit der 1929 erfundenen Motorsäge laut dem Kursleiter für das weibliche Geschlecht immer relevanter. Denn sie nehme im Privatbereich zu - etwa im Garten oder beim Holzfällen für den Kachelofen.

Mit Holz wird auch bei Catrin Weh und Diana Löscher zuhause geheizt. Aus diesem Grund nehmen die Frauen aus den Oberallgäuer Gemeinden Reute und Wiggensbach am Motorsägenkurs teil. «Ich hatte bisher bei der Waldarbeit immer nur Handlangerjobs», sagt Diana Löscher. Jetzt möchte sie den Umgang mit der Motorsäge lernen. Noch flöhst ihr das scharfe Werkzeug aber Respekt ein. «Mit Motorsägen und bei der Waldarbeit allgemein kann viel passieren», weiß auch Catrin Weh.

Technische Defekte selten

Im Theorieteil des Kurses bestätigt Rohrmoser: «Der Wald ist einer der gefährlichsten Arbeitsplätze.» Dort bergen zum Beispiel unwegsames Gelände und herabfallende Äste ebenso ein Risiko wie ein unsachgemäßer Umgang mit der Motorsäge. «Wenn man aber richtig damit arbeitet, passiert nicht viel», beruhigt Rohrmoser. Denn selten seien technische Defekte schuld an Unfällen. In der Regel liege es am Bediener.

Zu den groben Fehlern zählen laut dem Forstingenieur: Die Spitze des Sägenschwerts zuerst anzusetzen. Dadurch kann dieses Richtung Kopf zurückschlagen (Kick-Back). Das gleiche Risiko besteht beim Sägen über dem Kopf. Überhaupt ist der Kick-Back die größte Gefahr durch eine Motorsäge. Für die Schärfe der Kette dagegen ist es Gift, in den Boden zu sägen.

Ist sie stumpf, hilft nur das richtige Feilen der Zähne. Auch das zeigt Rohrmoser den Kursteilnehmerinnen. Weitere Themen waren das Betanken mit dem richtigen Benzin-Öl-Gemisch, das Spannen der Kette und das Anlassen des Zwei-Takt-Motors während die Säge mit einem Fuß im hinteren Griff am Boden fixiert oder an selbigem zwischen die Oberschenkel geklemmt wird.

Nach kleinen Anlaufproblemen starten schließlich alle Sägen und fressen sich knatternd durch die bereitliegenden Rundholzblöcke. Die ersten Berührungsängste schwinden schnell: «Das fühlt sich gut an», ist Diana Löscher begeistert. «Ich bin froh, dass ich mich für den Kurs gemeldet habe. Dadurch wird einiges klarer und ich bekomme mehr Sicherheit.»

Das ist ein Anfang und minimiert das Risiko. Für größere Waldarbeiten wie etwa das Beseitigen von Windwurf befähigt der Nachmittag im Bergbauernmuseum aber nicht, betont Rohrmoser. Schließlich wird dabei nur Basiswissen zum Umgang mit der Motorsäge vermittelt. Das soll auch im kommenden Jahr wieder der Fall sein. Allerdings wird es dann laut Museumsleiterin Christine Müller wohl einen gemischten Kurs geben, da bereits heuer einige Männer Interesse bekundet hatten.

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