Interview
Atomkraft-Gegner laden Vertreter der VKW zur Mahnwache nach Lindenberg

Brennende Kerzen, ein kleines Feuer, Wortbeiträge, Lieder oder einfach nur Schweigen in der Gemeinschaft. Seit fast sechs Wochen, seit der Atomkraft-Katastrophe von Japan, finden im Stadtpark in Lindenberg jeden Montag Mahnwachen statt, um Trauer auszudrücken und die Politik zum Atomausstieg aufzufordern. «Sehr friedvoll, sehr freundlich, man kann sogar sagen: fröhlich», beschreibt Barbara Boersch die abendlichen Treffen. Die 62-Jährige, die 35 Jahre lang einen Bauernhof bei Scheidegg bewohnt hat und nun in Thalkirchdorf lebt, ist eine der treibenden Kräfte hinter der Bewegung.

Was und wer steckt hinter der Mahnwache in Lindenberg?

Barbara Boersch: Die Idee stammte von Psychologin Beate Fritsch und sieben Kollegen aus der Hochgratklinik in Wolfsried. Der Antrieb war, Trauer und Mitleid mit den Opfern des Erdbebens und des Tsunamis in Japan zu zeigen und gleichzeitig das Entsetzen über eine drohende Reaktorkatastrophe auszudrücken.

Wie ist die Resonanz bisher?

Boersch: Zur ersten Mahnwache kurz nach der Katastrophe in Japan kamen 40 Personen. Zwischendurch waren es einmal nur vier, doch inzwischen hat sich die Zahl bei 20+ eingependelt. Es ist ein wechselnder Kreis mit festem Kern, wobei die stärkste Gruppe aus Scheidegg kommt. Ansonsten sind wir kunterbunt gemischt: Handwerker, Akademiker, Schüler.

Es kommen beispielsweise auch Zwölf- bis 14-Jährige, die gerade im Stadtpark sind, und stellen sich zehn Minuten zum Schweigen dazu. Das ist großartig.

Gemeinsam mit 10000 anderen Atomgegnern haben Sie kürzlich vor dem AKW Gundremmingen protestiert. Ihr Eindruck?

Boersch: Es war starke Gemeinschaft, eine friedvolle Gemeinschaft. Bemerkenswert fand ich die Friedfertigkeit bei der Polizei. Ich war damals auch in Wackersdorf und habe dort ganz andere Dinge erlebt. In Gundremmingen habe ich aber sogar Polizisten beobachtet, die ihre Lippen geformt und leise gesagt haben: «Abschalten». Das hat mich sehr beeindruckt.

Am Montag erhalten Sie Besuch von der «Gegenseite». Ein Vertreter der VKW wird zur Mahnwache kommen und sich Ihren - auch kritischen - Fragen stellen. Was erhoffen Sie sich von diesem Abend?

Boersch: Ich habe Herrn Dr. Dörler ganz bewusst eingeladen, weil die Vorarlberger Kraftwerke der regionale Grundversorger sind. Wir wollen wissen, woher unser Strom kommt, wie die VKW zur Atomkraft steht - und auch, weshalb das Unternehmen in Ökostrom investiert, was ich sehr begrüße. Auch möchte ich ihn fragen, wie er zu den Mythen der Atomlobby steht. Herr Dr. Dörler freut sich übrigens sehr, dass er zu uns kommen darf.

Darf am Montag jeder kommen?

Boersch: Zu uns darf jeder kommen: die Kernkraft-Befürworter, die Trauernden, die Zweifelnden, die Mütter, die damals als Kinder die Wolke von Tschernobyl miterlebt haben, und die, die wie ich mit Trauer feststellen müssen, dass sich unsere Ängste von damals bewahrheitet haben.

Mahnwache: Jeden Montag zwischen 18 Uhr und etwa 18.45 Uhr im Stadtpark in Lindenberg.

Barbara Boersch

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