Kempten / Memmingen
Astronom ließ wichtiges Buch auf Allgäuer Papier drucken

Vor 400 Jahren veröffentlichte Johannes Kepler sein Hauptwerk, die «Astronomia Nova». Er erkannte als Erster die Gesetzte der Planetenumlaufbahnen und legte damit die Grundlage für die moderne Astronomie und die Raumfahrt, die bei der Mondlandung vor 40 Jahren ihren ersten Höhepunkt erlebte. Wegen eines kaiserlichen Schuldscheins kam Kepler 1625 ins Allgäu. Statt Geld gab es aber Papier, und darauf ließ er 1627 seine Rudolfinischen Tafeln drucken, mit denen die Stellungen der Planeten vorhergesagt werden konnten. Ein Exemplar des Buches mit persönlicher Widmung wird heute noch in Kempten aufbewahrt.

Der Schwäbische Kreis hatte 1625 hohe Schulden bei Kaiser Ferdinand II.. Dieser wiederum konnte seinen Hofmathematiker Johannes Kepler schon lange nicht mehr entlohnen und trat eine Rate über 8000 Gulden an ihn ab. Also reiste der bekannte Astronom nach Memmingen und Kempten, um das Geld für den Druck seiner Tafeln zu kassieren.

Kempten kann nicht zahlen

Wie Heimatpfleger Dr. Alfred Weitnauer erforschte, erkannte die Stadt Kempten zwar die Zahlungsverpflichtung über 2000 Gulden an, war aber nicht in der Lage, auch nur einen Gulden auszuzahlen. Also überließ Kepler die 2000 Gulden der Stadt als Darlehen zu fünf Prozent Zinsen. Auch in Memmingen und Nürnberg sah Kepler kein Bargeld. Er reiste zum Kurfürstentag nach Regensburg, um seine Gehaltsforderungen den dort versammelten Fürsten zu unterbreiten.

Nachdem er die Stadt auf seinem heruntergekommenen Gaul erreicht hatte, wurde er nicht einmal vorgelassen oder angehört.

Anstelle des geschuldeten Geldes lieferten Kempten und Memmingen Papier für den Druck der Rudolfinischen Tafeln 1627 nach Ulm. Möglicherweise bezuschussten die beiden Städte auch den Druck. Am 1. November 1627 überreichte Kepler je ein Exemplar an die Reichsstädte.

Die von Kepler eigenhändig auf die Titelblätter geschriebene lateinische Widmung lautet im Falle Kemptens in deutscher Übersetzung: «Der rühmlich bekannten Reichsstadt Kempten, welche im Namen Kaiser Ferdinands II.

die Kosten für dieses Tafelwerk trug und durch ihre Bürger das Papier lieferte, widmet dieses Exemplar Johannes Kepler, der Geheiligten Kaiserlichen Majestät bestellter Oberösterreichischer Mathematicus, eigenhändig am 1. November des Jahres 1627.» In Kempten erinnert eine Straße an den bekannten Gast.

Der Kemptener Stadtarchivar hat im Tresor außerdem ein Exemplar der vor genau 400 Jahren veröffentlichten «Astronomia Nova» liegen. Darin lieferte Kepler den bahnbrechenden Beweis, dass nicht die Erde der Mittelpunkt des Universums ist, sondern die Planeten auf ellipsenförmigen Bahnen um die Sonne kreisen. Die mathematisch korrekte Beschreibung beseitigte viele Unstimmigkeiten im Modell von Astronom Nikolaus Kopernikus. In dieser Zeit entstand auch Keplers «Mondtraum», die wohl erste Science-Fiction-Erzählung auf wissenschaftlicher Grundlage.

Förderer Wallenstein

Nach einigen persönlichen Rückschlägen fand Kepler im berühmten Feldherrn Albrecht von Wallenstein einen Förderer. Doch dieser war weniger an der Erforschung des Weltalls interessiert. Er verlangte von Kepler persönliche Horoskope.

Kepler gilt heute als Genie. 1610 schrieb er: «Man schaffe Schiffe und Segel, die sich für die Himmelsluft eignen. Dann wird es auch Menschen geben, die vor der öden Weite des Raumes nicht zurückschrecken werden.» Der Württemberger legte den Grundstein für die Entwicklung der modernen Astronomie.

Auf seine Erkenntnisse bauten Newton, Einstein und Hawking ihre Forschungen auf. Kepler entwickelte Pumpen, die heute in modernen Automotoren verwendet werden. Und noch heute navigieren Raumsonden nach seinen Lehrsätzen. Nach Kepler ist ein Weltraumteleskop der NASA benannt, das im März 2009 gestartet wurde.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen