Buchloe
«Arztbesuche werden aufgeschoben»

Nach der Rentensteigerung im Juli dieses Jahres kommen auf die Rentner in den Jahren 2010 und 2011 wohl zwei Nullrunden zu. Die Sozialverbände schlagen Alarm und befürchten eine steigende Altersarmut. Stephan Schöttl hat sich darüber mit Maria Voit unterhalten. Sie ist Vorsitzende des VdK-Ortsverbands Buchloe.

Auf die Rentner warten in den kommenden Jahren wohl zwei Nullrunden. Hat Sie diese Entscheidung überrascht?

Voit: Nein. Die Bundesregierung hat im Mai 2009 eine Rentengarantie beschlossen, nach der die Renten auch bei sinkenden Löhnen nicht gekürzt werden. Jetzt werden wir sozusagen die Rentenerhöhung selbst zurückzahlen. Rentner müssen außerdem seit 2004 ihren Beitrag zur Pflegeversicherung alleine tragen. Es besteht Gefahr, dass wir langfristig von der Lohn- und Gehaltsentwicklung abgekoppelt werden.

Nimmt dadurch die Altersarmut in und um Buchloe zu?

Voit: Die Gefahr besteht auf jeden Fall. Die Zahl der Empfänger von Grundsicherung im Alter ist in den vergangenen Jahren gestiegen - um fast fünf Prozent. Das ist ein Warnsignal. Der VdK fordert seit Langem, die Regelsätze für Grundsicherung für ältere Menschen anzuheben und jährlich bedarfsgerecht anzuheben.

Woran sparen Rentner am meisten?

Voit: Viele müssen sich am Ende eines Monats entscheiden, ob sie ihr Geld im Obstladen oder in der Apotheke ausgeben. Gespart wird meist im medizinischen Bereich. Arztbesuche werden wegen der Praxisgebühr aufgeschoben, die Zähne lassen viele wegen der Kosten gar nicht erst behandeln. Oft reicht die Rente nicht einmal für Ausgaben, um am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen, also zum Beispiel für eine Tasse Kaffee oder ein Stück Kuchen.

Auch Ausflüge mit dem Bus oder mit Freunden sind nicht mehr oft möglich.

Viele Arbeitnehmer haben in der Krise ihren Job verloren oder müssen kürzer arbeiten. Müssten die Rentner in diesen Zeiten nicht auch ihren Beitrag leisten?

Voit: Die Rentenschutzklausel verhindert, dass eine arbeitsmarktpolitisch sinnvolle Maßnahme, wie zum Beispiel die Ausdehnung der Kurzarbeit, zulasten der Rentner geht. Sie haben schon durch die Nullrunden 2004, 1005 und 2006, durch Mini-Anpassungen 2007 und 2008 einen Kaufkraftverlust von fast neun Prozent hinnehmen müssen.

Was ist Ihrer Meinung nach das größte Problem der Rentenversicherung?

Voit: Die Abnahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen. Die Beitragseinnahmen werden dadurch immer weniger. Zudem ist es problematisch, dass die Mini-Jobs zunehmen. Deshalb können viele Bürger keinen Anspruch auf eine Altersrente aufbauen, mit der man auskommt.

Blick in die Zukunft

Das würde über kurz oder lang bedeuten, dass die Beiträge steigen

Voit: Für 2010 möchte die Regierung den Beitrag von 19,9 Prozent noch beibehalten. daraus wird auch der Beitrag der Rentenkassen zur Krankenversicherung finanziert. Für Rentner besteht in Zukunft tatsächlich die Gefahr, dass die Eigenanteile zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung steigen. Wie es dann weitergeht, kann niemand vorhersagen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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