Kempten
Artisten, wilde Tiere und der Duft des Abenteuers

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Da ist dieser Geruch. Diese Mischung aus Sägespänen, frischem Popkorn und Tierdung, die ein wenig nach Abenteuer riecht und nach weiter Welt. Es ist der Geruch des Zirkus, der an diesem Spätsommernachmittag über dem Platz vor der Allgäuhalle liegt. Im gelb-rot gestreiften Zelt wird es langsam voll. Aufgeregt rutschen die Kleinen auf den Bänken hin und her - hoffentlich geht sie bald los, die Vorführung von Circus Probst.

Maria Varfy blickt zufrieden ins schummrige Halbdunkel der Sperrsitzreihen. 900 Kinder, Eltern und Großeltern sind gekommen - eine ordentliche Zahl, befindet die Artistin. Noch trägt sie ein einfaches dunkles T-Shirt mit dem Schriftzug des Circus darauf. Dabei wird sie nur Minuten später dort drüben in der Manege stehen. Gekleidet in ihr Bühnenkostüm und mit den Füßen in rasender Geschwindigkeit Podeste jonglierend.

Derweil geht ein Raunen durch die Zuschauerränge: Da kommen sie, die Zirkusleute. Während oben die kirgisischen Akrobaten der Gruppe Eshimbekov übers Seil tanzen, hallen unten die «Ahhs» und «Ohhs» der Zuschauer wider, angetrieben von den immer schnelleren Rhythmen des Zirkus-Orchesters.

Trampolin-Nummern, Jonglage, Clown-Einlagen und Pferdedressur - im Stakkato geht es weiter. Immer wieder Applaus. In den Gesichtern der Kinder leuchtet Begeisterung. In denen der Erwachsenen nichts Geringeres.

Maria hat wieder ihr dunkles T-Shirt übergestreift. Die meisten Zirkusleute, so berichtet sie, wechseln alle paar Jahre den Arbeitgeber. Durch die halbe Welt ist sie schon gereist, ein Leben auf Achse, elf Monate im Jahr. Ein Bürojob? Nicht vorstellbar. Maria muss lachen. Schließlich ist sie in diese Welt hinein geboren, die für die Zuschauer soviel Geheimnis und Exotik birgt - und für die Menschen hinter den Kulissen vor allem harte Arbeit bedeutet. Wenn Circus Probst auf Tournee ist, sind 60 Fahrzeuge dabei und ein Tross von über 80 Menschen. Die Tiere - sie ziehen vor allem die ganz kleinen Zuschauer in Bann - gar nicht mit gezählt.

Da fällt natürlich viel Papierkram an. Exotik hin oder her - auch im Zirkus müssen Steuern gezahlt und Mitarbeiter versichert werden. Dazu kommen Investitionen wie fürs neue Zelt, das 130000 Euro kostet.

Dem Zuschauer bleibt diese wenig geheimnisvolle Seite des Unternehmens Zirkus verborgen. Fast. Denn da ist ja noch der Chef Reinhard Probst. Der nutzt den großen Auftritt als Zirkusdirektor auch dazu, auf die aus seiner Sicht mangelnde staatliche Unterstützung für deutsche Zirkusse hinzuweisen.

Doch dann ist Probst vor allem wieder eines - ein begeisterter Dompteur. Bei der Exotenparade tanzen Kamele, Yaks, Steppenrinder und ein Zebra ganz nach seiner Pfeife. Hin und her stolzieren die Tiere, springen über Stangen, recken die Hälse.

Und die Kinder? Die gehen in der Pause im «rollenden Zoo» von Circus Probst auf Tuchfühlung mit den Vierbeinern aus der ganzen Welt. Nur um kurz danach über die stolzen Tiger zu stauen, über rasante Reiter und den Clown Lolli.

Maria hat sich unterdessen schon wieder umgezogen. Ein wenig Glitzer fürs Finale. Winken, Applaus, der Vorhang fällt. Tief einatmen beim Weg nach draußen. Und schon ist er verflogen, der Duft des Zirkus.

Vorstellungen finden statt am Freitag und Samstag, 16 und 19.30 Uhr sowie am Sonntag um 11 und 16 Uhr.

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