Arbeitslosen-Quote steigt weiter
Arbeitsagentur zahlt jetzt schon knapp 40 Millionen Euro für Kurzarbeit im Allgäu

Agentur für Arbeit (Symbolbild)
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Über viele Jahre ging die Arbeitslosigkeit im bayerischen Teil des Allgäus aufgrund saisonaler Einflüsse zurück. Zuletzt lag sie regelmäßig bei unter drei Prozent: volkswirtschaftlich "Vollbeschäftigung". Das war dieses Mal anders. Denn wie die Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen mitteilt, hat die Corona-Krise auch im Mai die Arbeitsmarkt-Entwicklung geprägt. Und auch nach den bisherigen Lockerungen bleiben Unsicherheiten in Wirtschaft und Gesellschaft in Bezug auf die weitere Entwicklung der Pandemie bestehen, so die Agentur für Arbeit weiter. Sie geht davon aus, dass dies auch in den kommenden Wochen und Monaten den Arbeitsmarkt beeinflussen wird.

Im bayerischen Teil des Allgäus ist die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Vergleich zum April um 6,5 Prozent auf insgesamt 13.457 Personen gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 3,5 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte höher als im Vormonat. Im Jahresvergleich liegt die Quote sogar deutlich höher, im Mai vergangenen Jahres lag sie noch bei 2,3 Prozent.

Auch im Allgäu mehr Arbeitslose wegen Corona-Krise

Tourismus-Gebiete besonders betroffen

"Die markante Zunahme setzte sich auch in allen Wirtschaftsräumen des Agenturbezirks fort", so die Agentur für Arbeit in einer Mitteilung. Besonders ausgeprägt fiel die Zunahme in den Regionen Füssen, im südlichen Oberallgäu und im Landkreis Lindau aus. Dort ist der Tourismus ein wichtiges Standbein für Beschäftigung, das aufgrund der Corona-Krise in weiten Teilen nicht verfügbar war. Hier verzeichnet die Agentur für Arbeit die höchsten Steigerungsraten im gesamten Agenturbezirk von zwei bzw. 1,6 und 1,5 Prozentpunkten.

Kurzarbeit weiter auf hohem Niveau

Aufgrund der Corona-Pandemie zeigten auch im Mai viele Betriebe Kurzarbeit an. Der Höchststand aus den Monaten März/April wurde jedoch mit nun 667 geprüften Anzeigen für maximal knapp 9.200 Beschäftigte weit unterschritten. Erst in einigen Wochen stehen nach Angaben der Agentur für Arbeit die aktuellen Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme endgültig fest.

Am stärksten von der Kurzarbeit betroffen sind im Allgäu neben dem verarbeitenden Gewerbe auch das Gastgewerbe und der Handel. "Eine Reihe von Unternehmen wechselte zumindest in Teilen wieder in eine Art von „Regelbetrieb“ und konnte die tatsächlich realisierte verkürzte Arbeitszeit zum Teil wieder beenden", heißt es von der Arbeitsagentur.

Trotz Lockerungen: Corona-Virus beeinträchtigt Arbeitsmarkt stark

Trotz erster Erleichterungen habe das Coronavirus den Arbeitsmarkt auch im Mai weiter stark beeinträchtigt. "Mit raschen Zahlungen von Kurzarbeitergeld haben wir zahlreiche Beschäftigungsverhältnisse in vielen Betrieben stabilisiert. Bis Ende Mai hat die Agentur für Arbeit mehr als
39 Millionen Euro Kurzarbeitergeld an Betriebe im Allgäu gezahlt“, sagt Maria Amtmann, Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen. Durch die Lockerungen konnten Beschäftigte in verschiedenen Branchen auch wieder ihre Arbeit aufnehmen und manche Betriebe ihre betrieblichen Einschränkungen bereits reduzieren.

Im Mai haben sich nach Angaben der Agentur für Arbeit 1.720 Frauen und Männer nach einer Erwerbstätigkeit neu arbeitslos gemeldet. Das sind 1.440 Menschen weniger als im April, wo deutlich mehr Arbeitnehmer "im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit dem Corona-Lockdown" entlassen wurden. Im Mai 2019 waren dagegen gut 50 Prozent (bzw. 4.650 Menschen) weniger arbeitslos gemeldet.

Geringe Auswirkungen auf Ausbildungsmarkt

Für Jugendliche ist die Lage am Arbeitsmarkt aktuell gut. Laut der Arbeitsagentur scheint die Corona-Krise zumindest aktuell nur sehr begrenzte Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt zu haben. Während sich bis Mai 3.450 Bewerber für eine Ausbildungsstelle an die Agentur für Arbeit gewandt haben, haben Unternehmen im selben Zeitraum 5.543 Ausbildungsstellen zur Verfügung gestellt. Die 1.400 Bewerber, die derzeit noch keine Stelle oder eine Alternative gefunden haben, können aus rund 2.700 unbesetzten Lehrstellen wählen. "Allgäuer Unternehmen halten ihre Ausbildungsbereitschaft bisher weiter hoch. Trotz bestehenden Unsicherheiten wissen zukunftsorientierte Betriebe, dass der Azubi von heute die Fachkraft von morgen ist", erklärt Amtmann. 

Stark reduzierter Bedarf an Arbeitskräften

Allgäuer Betriebe hatten auch im Mai, wie bereits im April, einen geringeren Bedarf an Arbeitskräften als in den Monaten zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Unterschied "markant", teilt die Agentur für Arbeit mit. Demnach stellten Unternehmen im vergangenen Mai 1.350 neue Stellenangebote zur Verfügung, in diesem Jahr lediglich 640 neue Stellen. Auch die Gesamtzahl der vorliegenden Stellenangebote ging laut der Arbeitsagentur zurück: Aktuell werden 4.200 Mitarbeiter gesucht. Vor der Corona-Krise waren es noch mehr als 6.100 freie Stellen. Trotz bestehender Unsicherheit für die wirtschaftliche Entwicklung vieler Branchen, bleibe der Arbeitsmarkt in Bewegung. Das schließt die Agentur für Arbeit aus den neu eingegangenen Stellenangeboten.

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