Oberallgäu
Arbeiten statt faulenzen

Von wegen Spaßgeneration: Viele Allgäuer Jugendliche arbeiten in den Ferien. So bereiten sie sich auf ihr Studium vor oder finanzieren ihre Wünsche. Lena Lohr kommt aus Oberstdorf und ist 20 Jahre alt. Mit Helm auf dem Kopf und Werkzeuggürtel um die Hüfte erzählt sie von ihrem Praktikum bei der Unternehmensgruppe Geiger.

«Nach dem Abitur reicht die Zeit nicht aus, um groß auf Reisen zu gehen. Da habe ich mich entschieden, jetzt schon mein Pflichtpraktikum fürs Studium zu machen.»

Im Oktober fängt die Abiturientin in München an, Umweltingenieurwesen zu studieren. Sechs Wochen lang hilft sie nun dafür in verschiedenen Abteilungen des Unternehmens mit - auch auf der Baustelle - und hat Spaß dabei: «Wenn man ein Haus baut, sieht man am Abend, was man gemacht hat.»

Während ihrer Zeit bei Geiger verdient sie auch Geld. «Das kann ich sehr gut für meine Wohnung in München brauchen.» Voll und ganz in die Arbeitswelt will sie aber noch nicht einsteigen. «Ich lerne gerne, und im Studium konzentriert man sich auf das, was einen interessiert.»

Hoch über Ratholz sitzt Jonas Hamberger mitten im Wald. In den Bäumen wird geklettert, gelacht, geschrien. Der 18-jährige Gymnasiast aus Stein arbeitet während seiner Ferien im Klettergarten Bärenfalle. «Ich helfe hier schon seit drei Jahren mit.» Auch während der Schulzeit verdient er sich dort mit Freude bei der Arbeit einige Tage im Monat etwas Geld. Mit 15 Jahren hat er selbst einmal die Anlage ausprobiert. Es hat ihm so gut gefallen, dass er dort arbeiten wollte. «Also habe ich mich beworben.

» Das war vor zwei Jahren. Durch verschiedene Schulungen lernen die Mitarbeiter immer mehr dazu: «Zu Beginn war meine Aufgabe, die Besucher auszurüsten. Später habe ich die Sicherheitseinweisungen gemacht.»

Ab kommendem Donnerstag ist Jonas Trainer im Wald: «Dann klettere ich am Morgen durch die Parcours, um zu überprüfen, ob alles in Ordnung ist.» Das macht er am liebsten. Außerdem seilt der 18-Jährige Besucher ab, die zu müde sind, um weiterzuklettern, oder Angst haben. Und was macht er mit seinem Lohn?

«Mit dem Geld habe ich schon den Führerschein bezahlt. Jetzt kaufe ich mir bald eine neue Kamera.» Was er später einmal werden will, weiß er noch nicht. «Nächstes Jahr steht erst mal das Abitur an.» Vielleicht will Jonas danach eine große Reise machen. «Asien, Südafrika, Amerika, ich will ein Jahr lang die Welt sehen» - finanziert durch seine Ferienarbeit.

Angela Kohnle steht vor einer großen Maschine in Halle 306 in Seifen und fertigt Zündspulen. Sie ist eine von 148 Ferienarbeitern der Firma Bosch. Drei Wochen lang arbeitet die 19-jährige FOS-Schülerin aus Immenstadt dort. «Wenn ich Frühschicht habe, muss ich um 4 Uhr morgens aufstehen.»

Das sei hart. Aber sie weiß, wofür sie arbeitet: «Wenn ich mit der Schule fertig bin, gehts zum Studieren - dafür braucht man Geld.» Dann macht sie eine Pause und grinst: «Einen kleineren Teil meines Lohns werde ich natürlich beim Einkaufen ausgeben.» Und was ist mit Urlaub? Den vermisst sie nicht.

Angela spielt in Sonthofen Eishockey und ist mit ihrer Mannschaft viel unterwegs. Außerdem werde Urlaub überbewertet: «Wo ist es schon schöner als im Allgäu?»

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